Trauermusik Rumpf 1781 BR‑CPEB Fu 70; H deest; Wq deest

Sacred cantata (Funeral)


Scoring
S, A, T, B; 3 Tr, Timp, 2 Ob, 2 Vl, Va, Bc
Work history
EZ 1781; der am 20. März 1781 verstorbene Hamburger Bürgermeister V. Rumpf wurde am 27. März „in der hiesigen St. Nicolaikirche standesmäßig, bey einer vom Herrn Capellmeister Bach aufgeführten Trauermusik beygesetzt“. Diese Trauermusik bestand aus jeweils drei Chören und drei Chorälen, die abwechselnd musiziert wurden.
Der genaue Ablauf lässt sich anhand des Stimmenmaterials rekonstruieren (→ D-Bsa SA 721). Inwieweit die Bläser und Pauken bei den Chorälen mitgewirkt haben, kann bislang nicht eindeutig geklärt werden. Im vorhandenen Stimmenmaterial existiert vor Satz 5 lediglich der Hinweis „Choral tacet“ (Satz 4). Die Notiz C. P. E. Bachs auf der Rückseite der zweiten Trompetenstimme hinsichtlich des Chorals nach dem dritten Chor sowie die Angabe auf einem Titelumschlag der Quelle D-Bsa SA 718 („Choräle mit Trompeten u. Pauk[en] zu Bürgermeister Beerdigung“) weisen auf deren zumindest partielle Mitwirkung hin.
Z u S a t z 1 : Chor „Selig sind die Toten“ Wq deest / H 856
Die Autorschaft des Chorsatzes konnte bislang nicht ermittelt werden. C. P. E. Bach als Komponist wird angezweifelt (→ Helm: führt das Stück unter den zweifelhaften Werken an). Telemann etwa wird als möglicher Autor genannt, kann aber nicht belegt werden. Der von C. P. E. Bach verwendete Stimmensatz zeigt gegenüber
der Vergleichsquelle die übliche Anpassung an Hamburger Verhältnisse: 3 Trompeten und Pauken statt 2 Hörnern. Er zeigt gegenüber Satz 1 der Wiener Quelle ein um 9 Takte verkürztes Orchestervorspiel und enthält nicht den Presto moderato-Teil, dafür ein verkürztes Ende. Der Wiener Stimmensatz, evtl. ursprünglicher Berliner Provenienz, dürfte die ältere Version darstellen. Er enthält neben dem Chorsatz „Selig“ als Satz 1 noch sieben weitere Sätze. Durchaus denkbar, dass dieser Satz bereits bei der Trauermusik Schele erklang und der vorliegende Stimmensatz für diesen Anlass angefertigt wurde. C. P. E. Bach hat die um einen Ganzton tiefer notierte Orgelstimme explizit erst für St. Nikolai geschrieben. Wäre dieser Satz für die Trauermusik Greve musizieren worden, hätte Bach nämlich bereits für diesen Anlass eine Orgelstimme im Chorton notieren müssen, da die Orgel in St. Katharinen ebenfalls im Chorton gestimmt war.
Z u S a t z 3 : Chor „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“
Bislang konnte dieser Satz noch nicht zugeordnet werden. In C. P. E. Bachs Besitz befand sich zwar die gleichnamige fünfstimmige Motette von Johann Michael Bach. Ob C. P. E. Bach sie aber tatsächlich verwendete, kann nicht belegt werden. Dieses Material (D-Bsa SA 5146) zeigt auch keinerlei Aufführungsspuren von C. P. E. Bach. Miesners These, C. P. E. Bach könnte die Chorbearbeitung seines Gellertliedes „Gedanke, der uns Leben gibt“ BR-CPEB Hs 52/1 hier eingesetzt haben, deren zwölfte Strophe dem angegebenen Incipit entspricht (→ Miesner 1929, S. 101), erweist sich als irrig, da die Fortsetzung der Gellertstrophe nicht mit derjenigen des Chorsatzes übereinstimmt (→ Trauermusik Doormann 1784 BR-CPEB Fu 72, Libretto). Der Chortext ist vielmehr Hiob 19,25 entnommen.
Z u S a t z 5 : Chor „Gott, dem ich lebe“ Wq 225 / H 833
Wenn auch das Nachlassverzeichnis 1790 als Entstehungszeit 1780 angibt, so deutet der Titelumschlag von D-Bsa SA 721 eher darauf hin, dass dieser kurze Chorsatz für die Trauermusik Rumpf 1781 entstand. Der Chorsatz stellt eine Bearbeitung des gleichnamigen Gellert-Liedes dar. Im Autograph nur elftaktig (mit der ersten Strophe; inklusive Instruktionen hinsichtlich Besetzung und Dynamik zu den folgenden drei Strophen), wird er in den Stimmen und in der Wiener Abschrift mit allen vier Strophen komplett ausgeschrieben. Transposition von C- nach Es-Dur.
Early performances
, Hamburg, St. Nicolai
relation to other works:
is arrangement of BR-CPEB F-Inc 5 / H 856 / Wq deest
is arrangement of BR-CPEB H 31/1–30 / H 749 / Wq 197
relation from other works:
has arrangement in BR-CPEB Fu 71
has arrangement in BR-CPEB Fu 72
has arrangement in BR-CPEB Fu 73
has arrangement in BR-CPEB Fs 74
has as part H 833
has as part H 856/1
Comment
E n t l e h n u n g e n :
Satz 1: Trauerkantate „Selig sind die Toten“, BR-CPEB F-Inc 5/1
Satz 5: C. P. E. Bach, Sturms Geistliche Gesänge BR-CPEB H 31/9 („Todesfreudigkeit“)
W e i t e r v e r w e n d u n g e n :
Satz 1: Trauermusik Schuback 1783 BR-CPEB Fu 71/1
Satz 2: Trauermusik Schuback 1783, BR-CPEB Fu 71/2 „Jesus meine Zuversicht“; Trauermusik Doormann 1784 BR-CPEB Fu 72/2 „Tritt im Geist“; Trauermusik Luis 1788 BR-CPEB Fs 74/2 „Dieser Leib, aus Staub gebaut“
Satz 3: Trauermusik Doormann 1784 BR-CPEB Fu 72/3
Satz 4: Trauermusik Schuback 1783 BR-CPEB Fu 71/6 „O Jesu Gottes Lämmelein“; Trauermusik Doormann 1784 BR-CPEB Fu 72/4
Satz 5: Trauermusik Doormann 1784 BR-CPEB Fu 72/1
Satz 6: Trauermusik Doormann 1784 BR-CPEB Fu 72/6; wohl Trauermusik Schulte 1786 BR-CPEB Fu 72/2 „Jesus lebt, mit ihm auch ich“; Trauermusik Luis 1788 BR-CPEB Fs 74/6.
Lyrics
T e x t d i c h t e r Satz 5: Christian Christoph Sturm (1740–1786) „Lieder und Kirchengesänge“, Hamburg 1780, Nr. 29 „Todesfreudigkeit: Gott, dem ich lebe“, S. 65–66, 4 Strophen 1–3 (→ BR-CPEB H 31/9)
B i b e l t e x t :
Satz 1: Offb 14,13;
Satz 3: Hiob 19,25.
C h o r ä l e :
Satz 2: Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769), „Meine Lebenszeit verstreicht“, Strophe 7;
Satz 4: C. F. Gellert, „Wie sicher lebt der Mensch“, Strophe 4;
Satz 6: C. F. Gellert, „Jesus lebt, mit ihm auch ich“, Strophe 6
Literature
Miesner 1929, S. 53, 100f.; Enßlin 2014
Original sources
D-Bsa SA 720, Faszikel 1
D-Bsa SA 720, Faszikel 2
D-Bsa SA 721, Faszikel 1
D-Bsa SA 721, Faszikel 2
D-Bsa SA 721, Faszikel 3
Additional sources
A-Wgm V 14330 (Q 2388)
A-Wgm V 14347
B-Bc 719 MSM, Faszikel 5
Static URL
https://www.bach-digital.de/receive/BachDigitalWork_work_00009004
Export format
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2021-04-17 : 01:15:07