Passions-Cantate (Du Göttlicher) BR‑CPEB Ds 2; H 776; Wq 233 (= Wq 263)

Passion (Lent)


Scoring
S*, A*, T*, B*, S, A, T, B; 3 Cr, Timp, 2 Fl trav, 2 Ob, 2 Fag, 2 Vl, Va, Bc
Work history
EZ unbekannt, offenbar spätestens 1772; C. P. E. Bachs sog. Passions-Cantate, die der Gattung des Passionsoratoriums entspricht, und seine erste für Hamburg geschriebene Passion, die 1769 aufgeführte Matthäus-Passion (→BR-CPEB Dp 4.2), hängen bezüglich ihrer Entstehung sowie ihrer musikalischen Konsistenz sehr eng zusammen. Die meisten auf madrigalischen Texten beruhenden Sätze übernahm C. P. E. Bach aus der oratorischen Passion. Die Rezitative hingegen, der Choral und zwei Chöre wurden neu komponiert. Während C. P. E. Bach zur Komposition der Matthäus-Passion aufgrund seiner neuen Stellung als Musikdirektor der fünf Hamburger Hauptkirchen verpflichtet war, entsprang die Entstehung der Passions-Cantate vermutlich seinem Wunsch, ein großes Vokalwerk seiner Gönnerin, der Prinzessin Anna Amalia von Preußen, zu widmen, die ihm vor seiner Abreise aus Berlin den Ehrentitel eines Hofkapellmeisters verliehen hatte. Möglicherweise hatte C. P. E. Bach bereits bei der in Berlin begonnenen Komposition der Matthäus-Passion die spätere Umarbeitung in ein Passionsoratorium im Blick. C. P. E. Bach selbst gibt die Komposition der Passions-Cantate mit 1769 an: „Paßions-Cantate, von mir, C. P. E. Bach, Anno 1769 in Hamburg in Musik gesetzt.“. Das Nachlassverzeichnis hingegen nennt 1770 als Entstehungsjahr. Unklar ist, wann das Werk zum ersten Mal öffentlich erklang. Die Uraufführung dürfte vermutlich spätestens im Frühjahr 1772 in Berlin erfolgt sein (→ Datierung des Textdruckes Winter, der im April oder Mai 1772 verstarb), dem wahrscheinlichen Bestimmungsort des Werkes. Burney berichtet in seinem Tagebuch über ein privat arrangiertes, von C. P. E. Bach geleitetes Konzert am 10.10.1772, in dem Ausschnitte aus der Passions-Cantate erklangen. Vollständig aufgeführt wurde das Werk in Hamburg jedoch nicht vor dem 17.3.1774 in der sog. „Spinnhaus-Kirche“. Zu diesem Zeitpunkt war es neben Berlin jedoch auch schon andernorts erklungen.
In der Spinnhaus-Kirche entwickelte sich noch zu Lebzeiten C. P. E. Bachs eine Aufführungstradition mit nahezu jährlichem Turnus, weshalb C. P. E. Bach selbst von seiner „Spinnhauß Passion“ sprach. Die große Anzahl sowohl der Abschriften als auch der Textdrucke belegen die weite Verbreitung der Komposition. Auch nach Bachs Tod, noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts, wurde sie gespielt, beispielsweise 1814 von der Sing-Akademie zu Berlin unter Zelter.
C. P. E. Bach nahm im Lauf der Zeit zahlreiche, zumeist kleinere Korrekturen vor, die häufig den Sprachrhythmus der Rezitative betrafen.
Early performances
, Hamburg, Spinnhaus
relation to other works:
is adaptation of BR-CPEB Dp 4.1 / H 782 / Wq deest
Other catalogues
NV 1790, S. 56 [3]: „Paßions=Cantate. H. 1770. Mit gedämpften Pauken, Flöten, Hoboen, Hörnern und Bassons“ u.a.
Lyrics
madrigalische Texte (Übernahmen aus BR-CPEB Dp 4.2): Anna Luise Karsch (1722–1791)
Satz 7: Johann Joachim Eschenburg (1743–1820)
übrige freie Dichtungen: Christoph Daniel Ebeling (1741–1817)
Satz 19: Choral „Heiliger Schöpfer, Gott!“ nach M. Luthers „Mitten wir im Leben sind“
Literature
Burney 1772, S. 193f.; Bitter 1868, Bd. II, S. 18–44; Miesner 1929, S. 68–73; Clark 1984, S. 41–78; Bolin 1988; Finscher 1988; Schulze 1988; Krones 1990; Nagel 1995
Original sources
A-Wgm III 35444 (H 28225)
D-B Am.B 85/I
D-B Mus.ms. Bach P 337
DK-Kk mu 6309.1235 Weyses Samling
DK-Kk mu 6309.1631 Weyses Samling (C I, 610)
PL-Kj Mus.ms. Bach P 756
Additional sources
A-Wgm III 8677 (H 27767)
A-Wn Mus. Hs. 137
A-Wn Mus. Hs. 9871
B-Bc 735 MSM
D-B Am.B 85/II
D-BDk 9
D-BLAbk LAW Pa BlB 414-6
D-B Mus.ms. Teschner 219
D-BNu Ec 11.7
D-B Mus.ms. Bach P 338
D-Bsa SA 20
D-Bsa SA 4964
D-Bsommer Mus.ms. Bach C.P.E. 2
D-B Mus.ms. Bach St 192, Faszikel 1
D-B Mus.ms. Bach St 192, Faszikel 2
D-B Mus.ms. Bach St 192, Faszikel 3
D-Dl Mus. 3029-D-501
D-Dl Mus. 3029-D-506
D-DS Mus. ms. 1331, Faszikel 1
D-DS Mus. ms. 1331, Faszikel 2
D-F Mus Hs 144, Nr 1
D-GLAU Mus.B 1:3
D-HER Mus. E 1:4
D-Hs M A/255
D-KIl Mb 24
DK-Kk mu 6309.1234 Weyses Samling (C I, 610)
D-LEb Kulukundis II.3 Wq 233 (Depositum im Bach-Archiv)
D-LEm Poel. mus. Ms. 43/1
D-Mbs Mus.ms. 1162
D-NBss Mus. ms. 221
D-SWl Mus. 841, Faszikel 1
D-SWl Mus. 841, Faszikel 2
F-Pn D-573
H-Bl Ms. mus. 85
PL-WRu 62086 Muz.
PL-Wu RM 5907
S-Skma Ms. KO-R (2)
US-R M2000.B10D
US-Wc M2000 .B12 P3
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