St John Passion 1772 BR‑CPEB Dp 7.1; H 785; Wq deest; TVWV 5:30

Passion (Lent)


Scoring
S*, A*, T*, B*, S, A, T, B; 2 Fl trav, 2 Ob, 2 Fag, 2 Vl conc, 2 Vl, Va, Bc
Work history
EZ 1771/72 (laut Nachlass-Verzeichnis 1790); der biblische Teil und die Choräle basieren auf der Johannes-Passion G. P. Telemanns (TVWV 5:30) von 1745. C. P. E. Bach hatte ein Exemplar offenbar zu Anfang seiner Hamburger Zeit von G. M. Telemann ausgeliehen und von seinem Kopisten Anon. 304 eine Partitur der Choräle, Rezitative und Turbae anfertigen lassen, die dann Basis für die Einrichtung der Passion von 1772 wurde, wie etliche Einträge C. P. E. Bachs in diese Partitur belegen.
Der Notentext der Partitur von Anon. 304 stimmt in manchen Details nicht mit dem Druck von 1746/47 überein, was an ein durchkorrigiertes Exemplar aus Telemanns Besitz als Kopiervorlage schließen lässt.
Wie auch bei den Lukas-Passionen nach Telemann (→ BR-CPEB Dp 6.1–3) sind nur die Rezitative, Turbae und Choräle aus der Telemannschen Passion entnommen, alle Arien und nicht zum Passionsbericht gehörende Chöre aber ausgetauscht. In der Passion von 1772 entlehnte C. P. E. Bach wie schon in der Lukas-Passion für
1771 (BR-CPEB Dp 6.1) Sätze aus den „Geistlichen Betrachtungen“ von G. H. Stölzel, ferner aus der bereits 1770 und 1771 benutzten Markus-Passion von G. A. Homilius sowie der Johannes-Passion seines Vaters BWV 245. Einigen Sätzen wurden dabei neue Texte unterlegt (Satz 15, 21 und 23), was oft eine partielle Neukomposition der Singstimme(n) zur Folge hatte. Etliche Sätze wurden umbesetzt: andere Stimmlage (oktavversetzt), andere Instrumentalbesetzung (andere Bläser [Satz 5, 21] oder ohne Bläser [Satz 11, 15]).
Die Aufführungen an den Passionssonntagen fanden nach einem lange etablierten Rhythmus in den Hauptkirchen Hamburgs statt. Weitere Aufführungen an Werktagen können ferner in den Nebenkirchen angenommen werden.
Early performances
, Hamburg, St. Petri
, Hamburg, St. Nicolai
, Hamburg, St. Katharinen
, Hamburg, St. Jacobi
, Hamburg, St. Michaelis
relation from other works:
has revision BR-CPEB Dp 7.2
has revision BR-CPEB Dp 7.3
has revision BR-CPEB Dp 7.4
has arrangement in BR-CPEB Dp 9
Comment
Pasticcio mit Kompositionen von J. S. Bach (BWV 245/39), G. A. Homilius, G. H. Stölzel und G. P. Telemann, basierend auf der Johannes-Passion 1745 von G. P. Telemann (TVWV 5:30).
Entlehnungen:
1. Satz 1–4, 6–8, 10, 12–14, 16, 18, 19, 20, 22 und 24: G. P. Telemann: Johannes-Passion 1745 TVWV 5:30
2. Satz 5, 11, 17 und 21: G. H. Stölzel, „Sechs Geistliche Betrachtungen des leidenden und sterbenden Jesu“; Satz 5
(II. Betrachtung, Satz 3): Notenwerte gegenüber Stölzel verdoppelt, auch sonst deutlich umgearbeitet und umbesetzt: Fl statt Ob grande; Satz 11 (IV. Betrachtung, Satz 5): bei Stölzel 2 Ob statt 2 Vl conc; Satz 17 (VI. Betrachtung, Satz 3): nur geringfügige Modifikationen; Satz 21 (VI. Betrachtung, Satz 5 „Weil durch deine Grabesstätte“): gegenüber Stölzel parodiert und umbesetzt: bei Stölzel A* und T* statt S* und B*, Ob grande statt Fl, keine Va
3. Satz 9 und 15: G. A. Homilius, Markus-Passion HoWV I.10, Satz 25 (dort für A* statt B*) und 3 (gegenüber Homilius parodiert, transponiert und umbesetzt: bei Homilius „Mensch, empfinde doch Erbarmen“, S* statt T* und zusätzlich 2 Fl)
4. Satz 23: J. S. Bach, Johannes-Passion BWV 245 (NBA II/4, dort Satz 39).

Folgende Namen von Sängern der Aufführung von 1772 werden in den Stimmen überliefert: Hartmann (Sopran, Name allerdings durchgestrichen), Johann Heinrich Michel (Evangelist) und Friedrich Martin Illert (Jesus). Die Partitur der Betrachtungen von Stölzel enthält zusätzlich zu Satz 21 die Namen Hoffmann (Alt) und Hartmann (Tenor).
Auf den Stimmenbezeichnungen finden sich durch Abkürzungen Hinweise auf mögliche Namen von Instrumentalisten: J. A. Buckhoffer („B“, Vl 1), J. Hartmann („H“, Vl 1), H. C. Lüders („L“, Vl 2), J. H. Tancke, J. H. R. Cario („T C“, Vc).
Lyrics
1. Passionsbericht
Satz 2, 4, 6, 8, 10, 12, 14, 16, 18, 20 und 22: Jh 18,1–19.42
2. Choräle
Satz 1: C. F. Gellert, „Erforsche mich, erfahr mein Herz“, Strophe 1; Satz 3: S. Rodigast, „Was Gott tut, das ist wohl getan“, Strophe 3 und 5;
Satz 7: J. Heermann, „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“, Strophe 4;
Satz 13: P. Gerhardt, „O Haupt voll Blut und Wunden“, Strophe 1;
Satz 19: P. Gerhardt, „Ich grüße dich, du frömmster Mann“, Strophe 5;
Satz 24: H. Bonn, „Ach, wir armen Sünder“, Strophe 6
3. Übrige Sätze
Arien (Satz 5, 9, 11 und 15), Chöre (Satz 17 und 23), Duett (Satz 21): Textdichter unbekannt. Die Texte der Sätze Gottfried Heinrich Stölzels (1690–1749), Satz 5, 11 und 17, waren möglicherweise von diesem selbst gedichtet worden.
Link to lyrics
Edition
CPEB:CW IV/7.1, S. 1 (Paul Corneilson, 2007) – Critical report (2007), S. 113
Literature
Miesner 1929, S. 66; Clark 1984, S. 110f.; Schulze 1990, S. 340–342; Schulze 2001, S. 274; Enßlin 2006, 410f.; Enßlin/Rimek 2010; Wolf 2010a, S. 413f. und 421f.; Enßlin 2011, S. 61
Original sources
D-Bsa SA 4657, Faszikel 1
D-Bsa SA 4657, Faszikel 2
Additional sources
D-Bsa SA 4657, Faszikel 3
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