Satz

Satztitel
Satztyp
Besetzung
Text
Kittel, Johann Gottlob: Erbauliche Gedanken eines Tobackrauchers

So oft ich meine Tobacks-Pfeife,
Mit gutem Knaster angefüllt,
Zur Lust und Zeitvertreib ergreife,
So gibt sie mir ein Trauerbild -
Und füget diese Lehre bei,
Dass ich derselben ähnlich sei.

Kittel, Johann Gottlob: Erbauliche Gedanken eines Tobackrauchers

Die Pfeife stammt von Ton und Erde,
Auch ich bin gleichfalls draus gemacht.
Auch ich muss einst zur Erde werden -
Sie fällt und bricht, eh ihr's gedacht,
Mir oftmals in der Hand entzwei,
Mein Schicksal ist auch einerlei.

Kittel, Johann Gottlob: Erbauliche Gedanken eines Tobackrauchers

Die Pfeife pflegt man nicht zu färben,
Sie bleibet weiß. Also der Schluss,
Dass ich auch dermaleins im Sterben
Dem Leibe nach erblassen muss.
m Grabe wird der Körper auch
So schwarz, wie sie nach langem Brauch.

Kittel, Johann Gottlob: Erbauliche Gedanken eines Tobackrauchers

Wenn nun die Pfeife angezündet,
So sieht man, wie im Augenblick
Der Rauch in freier Luft verschwindet,
Nichts als die Asche bleibt zurück.
So wird des Menschen Ruhm verzehrt
Und dessen Leib in Staub verkehrt.

Kittel, Johann Gottlob: Erbauliche Gedanken eines Tobackrauchers

Wie oft geschieht's nicht bei dem Rauchen,
Dass, wenn der Stopfer nicht zur Hand,
Man pflegt den Finger zu gebrauchen.
Dann denk ich, wenn ich mich verbrannt:
O, macht die Kohle solche Pein,
Wie heiß mag erst die Hölle sein?

Kittel, Johann Gottlob: Erbauliche Gedanken eines Tobackrauchers

Ich kann bei so gestalten Sachen
Mit bei dem Tobach jederzeit
Erbauliche Gedanken machen.
Drum schmauch ich voll Zufriedenheit
Zu Land, zu Wasser und zu Haus
Mein Pfeifchen stets in Andacht aus.

Referenz zum Werk:
BWV 515a
persistente ID
BachDigitalMovement_movement_00000008
Statische URL
https://www.bach-digital.de/receive/BachDigitalMovement_movement_00000008
Exportformat
[PDF] [XML]
Status
letzte Änderung
05.01.2026 - 12:56:57