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Die dritte, erweiterte Neuausgabe des Bach-Werke-Verzeichnisses (BWV³) ist erschienen

Summary:
Am 13. Juni 2022 wurde die Ausgabe im Bachfest Leipzig in der historischen Alten Börse feierlich präsentiert. Zwölf Jahre intensiver Forschungs- und Redaktionsarbeit sind dieser Publikation vorausgegangen. Neben einer grundlegenden Auseinandersetzung mit aktuellen Forschungsergebnissen zum Schaffen Johann Sebastian Bachs (1685–1750) wurde auch die notwendige Neuausrichtung des bewährten BWV diskutiert und umgesetzt.

Content:
Seit der 1950 begründeten und 1990 revidierten Ausgabe von Wolfgang Schmieder sowie der »Kleinen Ausgabe« von Alfred Dürr, Yoshitake Kobayashi und Kirsten Beißwenger (1989) hat sich in der Bach-Forschung sehr viel bewegt: zu zahlreichen Vokalwerken beispielsweise gibt es gewichtige Neuerkenntnisse zur Werkgeschichte, und etliche Orgel- und Clavierwerke konnten als »unecht« enttarnt, andere Werke hingegen neu Bach zugewiesen werden. Der gesamte Werkbestand mit seiner komplexen handschriftlichen Überlieferung in Quellen, die weltweit verstreut sind, musste einer grundlegenden kritischen Überprüfung unterzogen werden. Hierfür hat sich am Bach-Archiv Leipzig ein kompetentes mehrköpfiges Team zusammengefunden, dem als Herausgeber Bach-Forscherin Dr. Christine Blanken, der Direktor des Bach-Archiv Leipzig, Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, sowie der ehemalige Direktor, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Wolff angehörten. Weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland haben das Projekt auf vielfältige Weise unterstützt.
Mit dem Band liegt nun eine stark erweiterte Neuausgabe von 880 Seiten vor, die aus der alten Ordnung von 1950/1990 im Grunde nur die bekannten Hauptnummern übernimmt, ansonsten aber die Feingliederung innerhalb der Werke transparent macht und damit auch Aspekte von Johann Sebastian Bachs Arbeitsweise selbst. Erstmals wurde der Gesamtbestand an Werken anderer Komponisten aus Bachs Besitz einbezogen, darunter auch solche in eigenen Bearbeitungen oder Aufführungsfassungen. Hierdurch wird die Erkenntnis zum äußerst vielfältigen Schaffen des Komponisten um eine weitere Facette erweitert. Auch die neue Systematische Werkübersicht trägt dazu bei, die sehr unterschiedlichen Aspekte des Wirkens von J. S. Bach in den einzelnen Kompositionsformen besser voneinander abzugrenzen, als es bei den früheren Ausgaben möglich war.
Weiterführende Informationen sind in dem vom Bach-Archiv betreuten Online-Portal »Bach digital« zu finden. Damit wird die Möglichkeit eröffnet, Daten dauerhaft aktuell zu halten und neue Forschungsergebnisse leichter zu integrieren als es Neuauflagen ermöglichen können. Entscheidend bleibt dabei, Fakten von Hypothesen zu trennen; hierbei kann die Bach-Forschung glücklicherweise auf mittlerweile siebzig Jahre moderner Quellenforschung mit einem enormen Erkenntniszuwachs zurückblicken.

Links:
Informationen zur Publikation bei Breitkopf & Härtel:

Christine Blanken