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Die dritte, erweiterte Neuausgabe des Bach-Werke-Verzeichnisses (BWV³) ist erschienen
Zusammenfassung:
Am 13. Juni 2022 wurde die Ausgabe im Bachfest Leipzig in der historischen Alten Börse
feierlich präsentiert. Zwölf Jahre intensiver Forschungs- und Redaktionsarbeit sind
dieser Publikation vorausgegangen. Neben einer grundlegenden Auseinandersetzung mit
aktuellen Forschungsergebnissen zum Schaffen Johann Sebastian Bachs (1685–1750) wurde
auch die notwendige Neuausrichtung des bewährten BWV diskutiert und umgesetzt.
Inhalt:
Seit der 1950 begründeten und 1990 revidierten Ausgabe von Wolfgang Schmieder sowie
der »Kleinen Ausgabe« von Alfred Dürr, Yoshitake Kobayashi und Kirsten Beißwenger
(1998) hat sich in der Bach-Forschung sehr viel bewegt: zu zahlreichen Vokalwerken
beispielsweise gibt es gewichtige Neuerkenntnisse zur Werkgeschichte, und etliche
Orgel- und Clavierwerke konnten als »unecht« enttarnt, andere Werke hingegen neu Bach
zugewiesen werden.
Der gesamte Werkbestand mit seiner komplexen handschriftlichen Überlieferung in Quellen,
die weltweit verstreut sind, musste einer grundlegenden kritischen Überprüfung unterzogen
werden. Hierfür hat sich am Bach-Archiv Leipzig ein kompetentes mehrköpfiges Team
zusammengefunden, dem als Herausgeber Bach-Forscherin Dr. Christine Blanken, der Direktor
des Bach-Archiv Leipzig, Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny, sowie der ehemalige Direktor,
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Wolff angehörten. Weitere Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland haben das Projekt auf vielfältige Weise
unterstützt.
Mit dem Band liegt nun eine stark erweiterte Neuausgabe von 880 Seiten vor, die aus
der alten Ordnung von 1950/1990 im Grunde nur die bekannten Hauptnummern übernimmt,
ansonsten aber die Feingliederung innerhalb der Werke transparent macht und damit
auch Aspekte von Johann Sebastian Bachs Arbeitsweise selbst. Erstmals wurde der Gesamtbestand
an Werken anderer Komponisten aus Bachs Besitz einbezogen, darunter auch solche in
eigenen Bearbeitungen oder Aufführungsfassungen. Hierdurch wird die Erkenntnis zum
äußerst vielfältigen Schaffen des Komponisten um eine weitere Facette erweitert.
Auch die neue Systematische Werkübersicht trägt dazu bei, die sehr unterschiedlichen
Aspekte des Wirkens von J. S. Bach in den einzelnen Kompositionsformen besser voneinander
abzugrenzen, als es bei den früheren Ausgaben möglich war.
Weiterführende Informationen sind in dem vom Bach-Archiv betreuten Online-Portal »Bach
digital« zu finden. Damit wird die Möglichkeit eröffnet, Daten dauerhaft aktuell zu
halten und neue Forschungsergebnisse leichter zu integrieren als es Neuauflagen ermöglichen
können. Entscheidend bleibt dabei, Fakten von Hypothesen zu trennen; hierbei kann
die Bach-Forschung glücklicherweise auf mittlerweile siebzig Jahre moderner Quellenforschung
mit einem enormen Erkenntniszuwachs zurückblicken.
Links:
Informationen zur Publikation bei Breitkopf & Härtel:
Online-Vorschau ins neue BWV
Christine Blanken
