Bach, Johann Sebastian (1685–1750)
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Lobet den Herrn, alle seine Heerscharen

Christian Friedrich Hunold ("Auserlesene und theils noch nie gedruckte Gedichte [...]", Halle 1718-1721). Satz 1: Psalm 103,21. Textdruck: Menantes 1719, S. 194 ("Cantata; an des Durchläuchtigsten | Fürsten Leopoldi, Fürstens zu Anhalt | Cöthen, etc. etc. Geburths-Feste, den 10. | Dec. 1718. bey gehaltenem GOttes- | Dienste. | Menantes. | Nach Anleitung des CXIX.Ps.v.175. | Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und | deine Rechte mir helfen.").

Cantata: an des Durchlauchtigsten Fürsten Leopoldi, Fürstens zu
Anhalt Cöthen, etc. etc. Geburths-Fest, den 10 Dec. 1718. bey gehaltenem Gottes-Dienste.


Nach Anleitung des CXIX. Ps. v. 175,

Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und deine Rechte mir helfen.


[1. Dictum] Chorus

Lobet den Herrn, alle seine Heerschaaren, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!


[2.] Recit.

Mein Leben kommt aus deiner Hand
O Herr! drum preißt dich mein Gemüthe.
Doch schätzbarer ist deine Güte,
Die mir die Krafft zu leben zu gesandt.


[3.] Aria

Ich lebe Herr! mein Hertz soll dich erheben:
Denn deine Güt ist wunderbar,
Aus Liebe hast du mich bereitet,
Mit Weisheit meinen Gang geleitet.
Die Herrlichkeit des Herrn ist Sonnen=klar!
Ich lebe Herr! mein Hertz soll dich erheben,
Denn deine Güt ist wunderbar.


[4.] Recit.

Was nutzte mir ein zeitlich Lebens-Gut,
Wenn mich der Herr des Lebens nicht erquickte?
Was zierte mich der Fürsten-Hut,
Wenn solchen nicht der Fürst des Lebens schmückte?
Was diente mir die gantze Pracht der Welt,
Wenn nicht mein Ruhm auf Gott gestellt?
Wie könte meine Seele leben,
Wenn solche nicht dem Höchsten Gott ergeben?


[5.] Aria

Herr, laß meine Seele leben,
Dich zu loben, dir zu dancken, sey sie ewig angeflammt,
Denn zu deinem Loben dienen,
Ist auch selbst der Seraphinen
Und der Himmels-Fürsten Amt.
Herr laß meine Seele leben,
Dich zu loben, dir zu dancken, sey sie ewig angeflammt.


[6.] Recit.

Herr, dein Gericht,
In dem die höchsten Weisheit spricht,
Wo Recht und Gnade nur regieren,
Soll meinen Scepter helfen führen.
Du bist mein Heyl, mein Schutz und Hort:
Drum steh ich fest, wenn alle Wetter blitzen.
Wohl denen, tröstet mich dein Wort,
Die unterm Schirm des Höchsten sitzen.
Vor deinem Throne liegt dein Knecht:
Herr, stärcke mich und schaffe selber Recht.


[7.] Aria

Herrsche Du selber mit Gnaden von oben,
Himmlische Weisheit bestrahle das Land.
Wehre den Feinden, und steure dem Toben;
Streite mit deiner allmächtigen Hand.
Friste mein Leben im seeligsten Stand,
Höchster, dich unter den Menschen zu loben.
Herrsche du selber mit Gnade von oben,
Himmlische Weisheit bestrahle das Land.