Bach, Johann Sebastian (1685–1750)
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Du, o schönes Weltgebäude

J. Franck (1653)

1. Du, o schönes Weltgebäude
Magst gefallen, wem du willt;
Deine scheinbarliche Freude
Ist mit lauter Angst umhüllt.
Denen, die den Himmel hassen,
Will ich ihre Weltlust lassen;
Mich verlangt nach dir allein,
Allerschönstes Jesulein!

2. Müde, die der Arbeit Menge
Und der heiße Strahl beschwert,
Wünschen, dass des Tages Länge
Werde durch die Nacht verzehrt,
Dass sie nach so vielen Lasten
Können sanft und süße rasten;
Ich wünsch itzt bei dir zu sein,
Allerschönstes Jesulein.

3. Ach, möchte ich in deinen Armen
So, wie ich mir wünschen wollt,
Allerliebster Schatz, erwarmen,
So wollt ich das feinste Gold,
Das in Ophir wird gegraben,
Nicht für dies Ergötzung haben,
Wann ich könnte bei dir sein,
Allerschönstes Jesulein.

4. Andre mögen durch die Wellen
Und durch Wind und Koippen gehn,
Ihren Handel zu bestellen,
Und da Sturm und Noth ausstehn;
Ich will meine Glaubensflügel
Schwingen an der Sternen Hügel,
Ewig da bei dir zu sein,
Allerschönstes Jesulein.

5. Tausendmal pfleg ich zu sagen
Und noch tausendmal dazu:
Ach, würd ich ins Grab getragen,
Ei, so käm ich ja zur Ruh!
Und mein bestes Theil, das würde,
Frei von dieser Leibesbürde
Je und ewig um dich sein
Allerschönstes Jesulein.

6. Komm, o Tod, du Schlafes Bruder,
Komm, und führe mich nur fort;
Löse meines Schiffleins Ruder,
Bringe mich in sichern Port.
Es mag, wer da will, dich scheuen;
Du kannst mich vielmehr erfreuen,
Denn durch dich komm ich hienein,
Zu dem schönsten Jesulein.

7. Ach, dass ich den Leibeskerker
Heute noch verlassen müsst,
Und käm an den Sternenerker,
Wo das Haus der Freuden ist;
Da wollt ich mit Wortgepränge
Bei der Engel großen Menge
Rühmen deiner Gottheit Schein,
Allerschönstes Jesulein.

8. Doch weil ich die Seelenauen
Und den güldnen Himmelssaal
Jetzt nicht kann nach Wünschen schauen,
Sondern muss im Tränental
Noch am Kummerfaden spinnen,
Ei, so sollen meine Sinnen
Unterdes doch bei dir sein,
Allerschönstes Jesulein.