Bach, Johann Sebastian (1685–1750)
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Markus-Passion

C. F. Henrici, genannt Picander

Teil 1 (vor der Predigt)

1. Chor

Geh Jesu, geh zu deiner Pein!
Ich will so lange dich beweinen,
Bis mir dein Trost wird wieder scheinen,
Da ich versöhnt werde sein.


2. Rezitativ

Evangelist: Und nach zween Tagen war Ostern,
und die Tage der süßen Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten,
wie sie ihn mit Listen griffen und töteten. Sie sprachen aber:


3. Chor

Ja nicht auf das Fest, dass nicht ein Aufruhr im Volk werde.


4. Rezitativ

Evangelist: Und da er zu Bethanien war, in Simonis, des Aussätzigen Hause,
und saß zu Tische, da kam an Weib, die hatte ein Glas mit ungefälschtem und köstlichen Nardenwasser;
und sie zerbrach das Glas, und goss es auf sein Haupt.
Da waren etliche, die wurden unwillig und sprachen:


5. Chor

Was soll doch dieser Unrat?
Man könnte das Wasser mehr denn um dreihundert Groschen verkauft haben und dasselbe den Armen geben.


6. Rezitativ

Evangelist: Und murreten über sie.


7. Choral

Sie stellen uns wie Ketzern nach,
Nach unserm Blut sie trachten;
Noch rühmen sie sich Christen auch,
Die Gott allein groß achten.
Ach Gott, der teure Name dein
Muss ihrer Schalkheit Deckel sein,
Du wirst einmal aufwachen.


8. Rezitativ

Evangelist: Jesus aber sprach:

Jesus: Lasset sie zufrieden: Was bekümmert ihr sie.
Sie hat ein gut Werk an mir getan.
Ihr habt allezeit Arme bei euch und wenn ihr wollet,
könnet ihr ihnen Gutes tun!
Mich aber habet ihr nicht allezeit, Sie hat getan, was sie konnte;
sie ist zuvor kommen, meinen Leichnam zu salben zu meinem Begräbnis.
Wahrlich, ich sage euch. Wo dies Evangelium gepredigt wird in aller Welt,
da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, das sie jetzt getan hat.

Evangelist: Und Judas Ischarioth, einer von den Zwölfen,
ging hin zu den Hohenpristern, dass er ihn verriete.
Da sie das höreten, wurden sie froh
und verhießen, ihm das Geld zu geben.
Und er suchete, wie er ihn füglich verriete.


9. Choral

Mir hat die Welt trüglich gericht't
Mit Lügen und mit falschem G'dicht,
Viel Netz und heimlich Striche.
Herr nimm mein wahr,
In dieser G'fahr
B'hüt mich für falschen Tücken.


10. Rezitativ

Evangelist: Und am ersten Tage der süßen Brote, da man das Osterlamm opferte,
sprachen seine Jünger zu ihm:


11. Chor

Wo willst du, dass wir hingehen, und bereiten, dass du das Osterlamm essest?


12. Rezitativ

Evangelist: Und er sandte seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen:

Jesus: Gehet hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser,
folget ihm nach, und wo er eingehet, da sprecht zu dem Hauswirt:
Der Meister lässt dir sagen: Wo ist das Gasthaus, darinnen ich das Osterlamm esse mit meinen Jüngern?
Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der gepflastert und bereitet ist,
daselbst richtet für uns zu.

Evangelist: Und die Jünger gingen aus, und kamen in die Stadt,
und funden, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Osterlamm.
Am Abend aber, kam er mit den Zwölfen. Und als sie zu Tische saßen und aßen, sprach Jesus:

Jesus: Wahrlich, ich sage euch, einer unter euch,
der mit mir isset, wird mich verraten.

Evangelist: Und sie wurden traurig, und sagten zu ihm, einer nach dem andern: Bin ichs?
Und der andere: Bin ichs?


13. Choral

Ich, ich und meine Sünden,
Die sich wie Körnlein finden
Des Sandes an dem Meer,
Die haben dir erreget
Das Elend, das dich schläget,
Und das betrübte Marterheer.


14. Rezitativ

Evangelist: Er antwortete, und sprach zu ihnen:

Jesus: Einer aus den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel tauchet.
Zwar des Menschen Sohn gehet hin, wie von ihm geschrieben stehet.
Wehe aber dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verraten wird;
es wäre demselben Menschen besser, dass er nie geboren wäre.

Evangelist: Und indem sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankete und brachs,
und gabs ihnen, und sprach:

Jesus: Nehmet, esset, das ist mein Leib.

Evangelist: Und nahm den Kelch, und dankete, und gab ihnen den;
und sie trunken alle daraus. Und er sprach zu ihnen:

Jesus: Das ist mein Blut des Neuen Testaments, das für viele vergossen wird.
Wahrlich, ich sage euch, dass ich hinfort nicht trinken werde vom Gewächse des Weinstocks,
bis auf den Tag, da ichs neu trinke in dem Reich Gottes.


15. Aria (Alt):

Mein Heiland, dich vergess ich nicht,
Ich habe dich in mich verschlossen,
Und deinen Leib und Blut genossen,
Und meinen Trost auf dich gericht.


16. Rezitativ

Evangelist: Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten,
gingen sie hinaus an den Ölberg. Und Jesus sprach zu ihnen:

Jesus: Ihr werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern.
Denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen,
und die Schafe werden sich zerstreuen.
Aber nachdem ich auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläam.


17. Choral

Wach auf, o Mensch, vom Sündenschlaf,
Ermuntre dich verlornes Schaf,
Und bess're bald dein Leben!
Wach auf, es ist doch hohe Zeit,
Es kömmt heran die Ewigkeit,
Dir deinen Lohn zu geben.
Vielleicht ist heut der letzte Tag,
Wer weiß noch, wie man sterben mag.

18. Rezitativ

Evangelist: Petrus aber sagte zu ihm:

Petrus: Und wenn sie sich alle ärgerten, so wollte doch ich mich nicht ärgern.
Und Jesus sprach zu ihm:

Jesus: Wahrlich, ich sage dir, heute in dieser Nacht,
ehe denn der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen.

Evangelist: Er aber redete noch weiter:

Petrus: Ja, wenn ich auch mit dir sterben müsste, wollte ich dich nicht verleugnen.

Evangelist: Desselbigengleichen sagten sie alle.
Und sie kamen zu dem Hofe mit Namen Gethsemane.
Und er sprach zu seinen Jüngern:

Jesus: Setzet euch hie, bis ich hingehe, und bete.

Evangelist: Und nahm zu sich Petrum und Jacobum und Johannem.
Und fing an zu zittern und zu zagen, und sprach zu ihnen:

Jesus: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod,
enthaltet euch hie und wachet.


19. Choral

Betrübtes Herz sei wohlgemut,
Tu nicht so gar verzagen,
Es wird noch alles werden gut,
All dein Kreuz, Not und Klagen
Wird sich in lauter Fröhlichkeit
Verwandeln in gar kurzer Zeit,
Das wirst du wohl erfahren.


20. Rezitativ

Evangelist: Und ging ein wenig fürbaß, fiel auf die Erde
und betete, dass, so es möglich wäre,
die Stunde vorüber ginge, und sprach:

Jesus: Abba, mein Vater, es ist dir alles möglich,
überhebe mich dieses Kelchs?
Doch nicht, was ich will, sondern was du willst.


21. Choral

Mach's mit mir Gott nach Deiner Güt,
Hilff mir in meinen Leiden,
Was ich Dich bitt, versag mirs nicht,
Wenn sich mein Seel soll scheiden,
So nimm sie, Herr, in Deine Händ,
Ist alles gut, wenn gut das End.

Evangelist: Und kam und fand sie schlafend.
Und sprach zu Petrus:

Jesus: Simon, schläftst du! Vermögest du nicht eine Stunde zu wachen!
Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallet.
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

Evangelist: Und ging wieder hin und betete,
und sprach dieselbigen Worte. Und kam wieder, und fand sie abermal schlafend
(denn ihre Augen waren voll Schlafs), und wussten nicht, was sie ihm antworteten.
Und er kam zum drittenmal und sprach zu ihnen:

Jesus: Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen?
Es ist genug, die Stund ist gekommen.
Siehe, des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände.
Stehet auf, lasset uns gehen; der mich verrät ist nahe!


22. Aria

Er kommt, er kommt, er ist vorhanden!
Mein Jesu, ach! Er suchet dich,
Entfliehe doch und lasse mich,
Mein Heil, statt deiner in den Banden.


23. Rezitativ

Evangelist: Und alsbald, da er noch redete, kam herzu Judas,
der Zwölfen einer, und eine große Schar mit ihm,
mit Schwertern und mit Stangen von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten.
Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt:
Wechen ich küssen werde, der ists; den greifft und führet ihn gewiss.
Und da er kam, trat er blad zu ihm und sprach:

Judas: Rabbi, Rabbi,

Evangelist: Und küssete ihn.


24. Aria

Falsche Welt, dein schmeichelnd Küssen,
ist der Frommen Seelen Gift.
Deine Zungen sind voll Stechen,
Und die Worte, die sie sprechen,
Sind zu Fallen angestift.


25. Rezitativ

Evangelist: Die aber legten ihre Hände an ihn und griffen ihn.
Einer aber von denen, die dabei studen, zog sein Schwert aus
und schlug des Hohepriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab.
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen:

Jesus: Ihr seid ausgegangen, als zu einem Mörder,
mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fassen.
Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen
und habe gelehret, und ihr habt mich nicht gegriffen.
Aber, auf dass die Schrift erfüllet werde.


26. Choral

Jesu, ohne Missetat,
Im Garten vorhanden,
Da man dich gebunden hat,
Fest mit harten Banden.
Wenn uns will der böse Feind
Mit der Sünde binden,
So lass uns, o Menschenfreund!
Dadurch Lösung finden.


27. Rezitativ

Evangelist: Und die Jünger verließen ihn alle und flohen.
Und es war ein Jüngling, der folgete ihm nach,
der war mit Leinwand bekleidet auf der boßen Haut;
und die Jünger griffen ihn.
Er aber ließ den Leinwand fahren und flohe bloß von ihnen.


28. Choral

Ich will hier bei dir stehen,
Verlasse mich doch nicht,
Von dir will ich nicht gehen,
Wenn dir dein Herze bricht,
Wenn dein Haupt wird erblassen
Im letzten Todesstoß,
Alsdenn will ich dich fassen,
In meinem Arm und Schoß.



Teil 2 (nach der Predigt)


29. Aria

Mein Tröster ist nicht mehr bei mir,
Mein Jesu, soll ich dich verlieren,
Und zum Verderben sehen führen?
Das kömmt der Seele schmerzlich für.
Der Unschuld, welche nichts verbrochen,
Dem Lamm, das ohne Missetat,
Wird in dem ungerechten Rat
Ein Todesurteil zugesprochen.


30. Rezitativ

Evangelist: Und sie führeten Jesum zu dem Hohe Priester,
dahin zusammen kommen waren alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten.
Petrus aber folgte ihnen von ferne, bis hinein in des Hohen Priesters Palast;
und er war da und saß bei den Knechten und wärmete sich bei dem Licht.
Aber die Hohenpriester und der ganze Rat suchten Zeugnis wider Jesum,
auf dass sie ihn zum Tode brächten; und funden nichts.
Viel gaben falsch Zeugnis wider ihn, aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein.
Und etliche stunden auf und gaben falsch Zeugnis wider ihn und sprachen:

Testes: Wir haben gehöret, dass er sagte:
Ich will den Tempel, der mit Händen gemachet ist, abbrechen
und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht sei.

Evangelist: Aber ihr Zeugnis stimmte noch nicht überein.


31. Choral

Was Menschenkraft und -witz anfäht,
Soll uns billig nicht schrecken,
Er sitzet an der höchsten Stätt,
Er wird ihr'n Rat aufdecken.
Wenn sies aufs Klügste greifen an,
So geht doch Gott ein andre Bahn,
Es steht in seinen Händen.


32. Rezitativ

Evangelist: Und der Hohe Priester stund auf unter sie
und fragte Jesum und sprach:

Pontifex: Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen?

Evangelist: Er aber schwieg stille und antwortete nichts.


33. Choral

Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt,
Der allertreusten Pflege
Des, der den Himmel lenkt,
Der Wolken, Luft und Winden,
Gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuß gehen kann.


34. Rezitativ

Evangelist: Da fragte ihn der Hohe Priester abermal und sprach zu ihm:

Pontifex: Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten?

Evangelist: Jesus aber sprach:

Jesus: Ich bin's, und ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft
und kommen mit des Himmels Wolken.

Evangelist: Da zerriss der Hohe Priester seinen Rock und sprach:

Pontifex: Was dürfen wir weiter zeugen?
Ihr habet gehöret die Gotteslästerung. Was dünket euch?

Evangelist: Sie aber verdammten ihn alle, dass er des Todes schuldig wäre.
Da fingen an etliche, ihn zu verspeien und un verdecken sein Angesicht
und mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen:

Chor: Weissage uns.

Evangelist: Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.


35. Choral

Du edles Angesichte,
Dafür sonst schrickt und scheut
Das große Weltgerichte,
Wie bist du so bespeit,
Wie bist du so erbleichet,
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zutericht?


36. Rezitativ

Evangelist: Und Petrus war danieden im Palast,
da kam des Hohe Pristers Mägde eine.
Und da sie sahe Petrum sich wärmen, schauet sie ihn an und sprach:

Ancilla: Und du warest auch mit dem Jesu von Nazareth.

Evanelist: Er aber leugnete und sprach:

Petrus: Ich kenne ihn nicht, weiß auch nicht, was du sagest.

Evangelist: Und er ging hinaus in den Vorhof; und der Hahn krähete.
Und die Magd sahe ihn an und hub abermal an zu sagen denen, die dabei stunden:

Ancilla: Dieser ist der einer.

Evangelist: Und er leugnete abermal.
Und nach einer kleinen Weile sprachen abermal zu Petro, die dabei stunden:

Chor: Wahrlich, du bist der einer; denn du bist ein Galiläer
und deine Sprache lautet gleich also.

Evangelist: Er aber fing an, sich zu verfluchen und zu schwören:

Petrus: Ich kenne des Menschen nicht, von dem ihr saget.

Evangelist: Und der Hahn krähete zum andernmal.
Da gedachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm sagete:
Ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen.
Und er hub an zu weinen.


37. Choral:

Herr, ich habe missgehandelt,
Ja, mich drückt der Sünden Last,
Ich bin nicht den Weg gewandelt,
Den du mir gezeiget hast,
Und jetzt wollt ich gern aus Schrecken
Mich für deinem Zorn verstecken.


38. Rezitativ

Evangelist; Und bald am Morgen hielten die Hohenpriester einen Rat mit den Ältesten und Schriftgelehrten,
dazu der ganze Rat und bunden Jesum und führeten ihn und überantworteten ihn Pilato.
Und Pilatus fragte ihn:

Pilatus: Bist du ein König der Juden?

Evangelist: Er antwortete aber und sprach zu ihm.

Jesus: Du sagest's.

Evangelist: Und die Hohenpriester beschuldigten ihn hart.
Pilatus aber fragete ihn abermals und sprach:

Pilatus: Antwortest du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen.

Evangelist: Jesus aber antwortete nichts mehr, also, dass sich auch Pilatus verwunderte.
Er pflegete aber ihnen auf das Osterfest einen Gefangenen los zu geben, welchen sie begehrten.
Es war aber einer, genannt Barrabas, gefangen mit den Aufrührerischen,
die im Aufruhr einen Mord begangen hatten.
Und das Volk ging hinauf und bat, dass er täte, wie er pflegete.
Pilatus aber antwortete ihnen:

Pilatus: Wollet ihr, dass ich euch den König der Juden los gebe?

Evangelist: Denn er wusste, dass ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten.
Aber die Hohenpriester reizten das Volk, dass er ihnen viel lieber den Barrabam losgebe.
Pilatus aber antwortete wiederum und sprach zu ihnen:

Pilatus: Was wollet ihr denn, das ich tue dem, den ihr schuldigt, er sei der König der Juden?

Evangelist: Sie schrien abermal:

Chor: Kreuzige ihn.

Evangelist: Pilatus aber sprach zu ihnen:

Pilatus: Was hat er Übels getan?

Evangelist: Aber sie schrien noch viel mehr:

Chor: Kreuzige ihn.


39. Aria

Angenehmes Mordgeschrei!
Jesus soll am Kreuze sterben,
Nur damit ich vom Verderben
Der verdammten Seelen frei,
Damit mir Kreuz und Leiden,
Sanfte zu ertragen sei.


Evangelist: Pilatus aber gedachte dem Volk genug zu tun
und gab ihnen Barrabam los; und überantwortete ihnen Jesum, dass er gegeißelt und gekreuziget würde.
Die Kriegsknechte aber führeten ihn hinein in das Richthaus und riefen zusammen die ganze Schar;
und zogen ihm einen Purpur an und flochten eine dornene Krone und setzten sie ihm auf.
Und fingen an, ihn zu grüßen:

Chor: Gegrüßet seist du, der Juden König!

Evangelist: Und schlugen ihm das Haupt mit dem Rohr
und verspeieten ihn und fielen auf die Knie und beteten ihn an.


40. Choral

Man hat dich sehr hart verhöhnet,
Dich mit großem Schimpf belegt,
Und mit Dornen gar gekrönet:
Was hat dich dazu beweget?
Dass du möchtest mich ergötzen,
Mir die Ehrenkron aufsetzen.
Tausend, tausendmal sei dir,
Liebster Jesu, Dank dafür.


41. Rezitativ

Evangelist: Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur aus
und zogen ihm seine eigenen Kleider an und führeten ihn aus, dass sie ihn kreuzigten.
Und zwungen einen, der vorüber ging, mit Namen Simon von Syrene, der vom Felde kam
(der ein Vater war, Alexandri und Ruffi), dass er ihm das Kreuz trüge.
Und sie brachten ihn an die Stätte Golgatha, das ist verdolmetscht Schädelstätte.
Und sie gaben ihm Myrrhen im Wein zu trinken, und er nahm's nicht zu sich.
Und da sie ihn gekreuzigt hatten, teileten sie seine Kleider
und wurfen das Los drum, welcher was überkäme.


42. Choral

Das Wort sie sollen lassen stahn,
Und kein'n Dank darzu haben:
Er ist mit uns wohl auf den Plan
Mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie uns den Leib,
Gut, Ehr, Rind und Weib,
Lass fahren dahin,
Sie haben's kein'n Gewinn,
Das Reich Gottes muss uns bleiben.


43. Rezitativ

Evangelist: Und es war um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten.
Und es war oben über ihn geschrieben, was man ihm Schuld gab,
nämlich ein König der Juden.
Und sie kreuzigten mit ihm zween Mörder, einen zu seiner Rechten
und einen zu seiner Linken.
Da ward die Schrift erfüllet, die da saget: Er ist unter die Übeltäter gerechnet.
Und die vorüber gingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Häupter und sprachen:

Chor: Pfui dich, wie fein zerbrichts du den Tempel und bauest ihn in dreien Tagen!
Hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuze.

Evangelist: Desselben gleichen die Hohepriester verspotteten ihn untereinander,
samt den Schriftgelehrten, und sprachen:

Chor: Er hat andern gehofen und kann ihm selber nicht helfen.
Ist er Christus und König in Israel, so steige er nun vom Kreuze, dass wir sehen und glauben.

Evangelist: Und die mit ihm gekreuziget waren, schmäheten ihn auch.
Und nach der sechsten Stunde ward eine Finsternis über das ganze Land, bis um die neunte Stunde.
Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach:

Jesus: Eli, Eli, lama asabthani?

Evangelist: Das ist verdolmetscht,
mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?


44. Choral

Keinen hat Gott verlassen,
Der ihm vertraut allzeit,
Und ob ihn gleich viel hassen,
Geschieht ihm doch kein Leid;
Gott will dei Seinen schützen,
Zuletzt erheben hoch,
Und geben, was ihn'n nützet,
Hie zeitlich und auch dort.


45. Rezitativ

Evangelist: Und Etliche, die dabei stunden,
da sie das höreten, sprachen sie:

Chor: Siehe, er rufet dem Elias.

Evangelist: Da rief einer und füllete einen Schwamm mit Essig
und stecket ihn auf ein Rohr und tränkete ihn und sprach:

Miles: Halt, lasset sehen, ob Elias komme und ihn herabnehmen.

Evangelist: Aber Jesus schrie laut und verschied.


46. Aria

Welt und Himmel nehmt zu Ohren
Jesu schreiet über laut.
Allen Sündern sagt er an,
Dass er nun genug getan,
Dass das Eden aufgebaut,
Welches wir zuvor verloren.


47. Rezitativ

Evangelist: Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stück,
von oben bis unten aus.
Der Hauptmann aber, der dabei stund, gegen ihm über
und sahe, dass er mit solchem Geschrei verschied, sprach er:

Centurio: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen.

Evangelist: Und es waren auch Weiber da, die von ferne solches schaueten,
unter welchen war Maria Magdalena, Maria, des kleinen Jacobs und Joses Mutter, und Salome;
die ihm auch nachgefolget, da er in Galiläa war, und gedienet hatten;
und viele andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem gegangen waren.
Und am Abend, dieweil es der Rüsttag war, welcher ist der Vorsabbat,
kam Joseph von Arimathia, ein ehrbarer Ratsherr, welcher auf das Reich Gottes wartete,
der wagt's und ging hinein zu Pilato und bat um den Leichnam Jesu.
Pilatus aber verwunderte sich, dass er schon tot war;
und rief den Hauptmann und fragete ihn, ob er längst gestorben wäre?
Und als er's erkundet von dem Hauptmann, gab er Joseph den Leichnam.


48. Choral

O! Jesu du,
Mein Hülf und Ruh!
Ich bitte dich mit Tränen,
Hilf, dass ich mich bis ins Grab
Nach dir möge sehnen.


49. Rezitativ

Evangelist: Und er kaufte ein Leinwand und nahm ihn ab
und wickelte ihn in die Leinwand und legte ihn in ein Grab, das war in ein Fels gehauen;
und wälzete einen Stein vor des Grabes Tür.
Aber Maria Magdalena und Maria Joses schaueten zu, wo er hingelegt ward.


50. Chor

Bei deinem Grab und Leichenstein
Will ich mich stets, mein Jesu, weiden,
Und über dein verdienstlich Leiden,
Von Herzen froh und dankbar sein.
Schau, diese Grabschrift sollst du haben:
Mein Leben kommt aus deinem Tod,
hier hab ich meine Sündennot
Und Jesum selbst in mich begraben.