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Lukas-Passion


Passio Domini nostri Jesu Christi secundum Lucam


Erster Teil



1. Chor

Furcht und Zittern, Scham und Schmerzen,
Herr, zerknirschen unsre Herzen
Beim Gedächtinis deiner Not
Wir sind Sklaven, Knecht' und Sünder,
Du bist Herrscher und Entbinder
Und erwählst für uns den Tod.

Da Capo


2. Rezitativ

Evangelist: Es war aber nahe das Fest der süßen Brot', da das Ostern heißet.
Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten, wie sie ihn töteten, und furcht'ten sich vor dem Volke.
Es war aber der Satanas gefahren in den Judas, genannt Ischarioth; der war aus der Zahl der Zwölfen.
Und er ging hin, und redet' mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten, wie er ihn wollte ihnen überantworten.


3. Choral

Verruchter Knecht, wo denkst du hin,
wie denkst du nur an Godgewinn
und fürchtest nicht die Hölle?
Willst du um schnödes Geld und Gut verraten
deines Meisters Blut
als Satanasgeselle?
Denk an die lange Ewigkeit, kehr um, kehr um,
noch ist es Zeit!


4. Rezitativ

Evangelist: Und sie wurden froh
und gelobten ihm Geld zu geben.


5. Choral

Die Seel' weiß hochzuschätzen,
was Hand und Kasten füllt,
was Augen kann ergötzen und Lust der Sinne stillt.
Sie ringt nach eitlen Dingen und
bleibt der Ew'gen bar:
wer reißt sie aus den Schlingen
der tödlichen Gefahr?


6. Rezitativ

Evangelist: Und er versprach es und suchte Gelegenheit,
dass er ihn überantwortete ohne Rumor.


7. Choral

Stille, stille! ist die Losung der Gottlosen
in der Welt;
traue ja nicht der Liebkosung,
wenn sie sich zu dir gesellt.
Spricht der Mund ein gutes Wort,
hegt das Herze Trug und Mord
und dass es die List erfülle, ist die Losung:
Stille, stille!


8. Rezitativ

Evangelist: Es kam nun der Tag der süßen Brot',
auf welchem man musste opfern das Osterlamm.
Und sandte Petrum und Johannem und sprach:
Jesus: Gehet hin, bereitet uns das Osterlamm,
auf dass wir's essen.
Evangelist: Er sprach zu ihnen:


9. Chor

Die Jünger Jesu: Wo willt du, dass wir's bereiten?


10. Rezitativ

Jesus: Siehe, wenn ihr hinein kommt in die Stadt,
wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug.
Folget ihm nach in das Haus, da er hineingehet
und saget zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen:
"Wo ist die Herberge, darinnen ich das Osterlamm
essen möge mit meinen Jüngern?"


11. Choral

Weide mich und mach' mich satt, Himmelsspeise!
Tränke mich, mein Herz ist matt, Seelenweide!
Sei du meine Ruhestatt, Ruh' der Seelen,
Jesu, Ruh' der Seelen!


12. Rezitativ

Jesus: Und er wird euch einen großen gepflasterten Saal zeigen;
daselbst bereitet es.
Evangelist: Sie gingen hinein und funden,
wie er ihnen gesagt hatte und bereiteten das Osterlamm.
Und da die Stunde kam, setzte er sich nieder
und die zwölf Apostel mit ihm; und er sprach zu ihnen:
Jesus: Mich hat herzlich verlanget, das Osterlamm
mit euch zu essen, ehe denn ich leide.


13. Choral

Nicht ist lieblicher als du, liebste Liebe,
nichts ist freundlicher als du, milde Liebe,
auch nichts süßer ist als du, süße Liebe,
Jesu, süße Liebe!


14. Rezitativ

Jesus: Denn ich sage euch, dass ich hinfort nicht mehr davon essen werde,
bis es erfüllet werde im Reich Gottes.
Evangelist: Und er nahm den Kelch,
dankte und sprach:
Jesus: Nehmet denselben und teilet ihn unter euch; denn ich sage euch:
Ich werde nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks,
bis das Reich Gottes komme.
Evangelist: Und er nahm das Brot, dankte und brach's
und gab's ihnen und sprach:
Jesus: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird:
das tut zu meinem Gedächtnis.


15. Arie: Sopran

Dein Leib, das Manna meiner Seelen,
Erquickt und stärkt die matte Brust.
Es schmecket, wenn ich es genieße,
dem Geist so wunderbarlich süße
Und schafft ihm lauter Himmelslust.

Da Capo


16. Rezitativ

Evangelist: Desselbigen gleichen auch den Kelch
nach dem Abendmahl und sprach:
Jesus: Das ist der Kelch, das neue Testament
in meinem Blut, das für euch vergossen wird.


17. Arie: Alt

Du gibst mir Blut, ich schenk' dir Tränen,
Nur ist mein Tausch gar schlecht an Wert.
Du triefst, und ich wein' um die Wette;
Ach, dass ich so was Kostbar's hätte,
Als mir dein Kraftkelch hier gewährt!

Da Capo


18. Rezitativ

Jesus: Doch siehe, die Hand meines Verräters
ist mit mir über Tische;
und zwar, des Menschen Sohn gehet hin,
wie es beschlossen ist,
doch wehe dem selbigen Menschen,
durch welchen er verraten wird.
Evangelist: Und sie fingen an zu fragen unter sich selbst,
welcher es doch wäre unter ihnen, der das tun würde-


19. Choral

Ich, ich und meine Sünden, die sich wie
Körnlein finden des Sandes an dem Meer,
die haben dir erreget das Elend, das dich
schläget und das betrübte Marterheer.


20. Rezitativ

Evangelist: Es erhub sich auch ein Zank unter ihnen,
welcher unter ihnen solle für den Größten gehalten werden.
Er aber sprach zu ihnen:
Jesus: Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren.
Ihr aber nicht also: sondern der Größeste unter euch soll sein wie der Jüngste,
und der Fürnehmste wie ein Diener.
Denn welcher ist der Größeste? Der zu Tische sitzet, oder der da dient?
Ist's nicht also, dass, der zu Tische sitzet?
Ich aber bin unter euch wie ein Diener.
Ihr aber seid's, die ihr beharret habet bei mir in meinen Anfechtungen.


21. Choral

Ich werde dir zu Ehren alles wagen,
kein Kreuz nicht achten, keine Schmach noch Plagen,
nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen
nehmen zu Herzen.


22. Rezitativ

Jesus: Und ich will euch das Reich bescheiden,
wie mir's mein Vater beschieden hat,
dass ihr essen und trinken sollt über meinem Tisch in meinem Reich,
und sitzen auf Stühlen, und richten die zwölf Geschlechte Israel.


23. Choral

Der heiligen zwölf Boten Zahl
und die lieben Propheten all,
die teuren Märt'rer allzumal loben dich,
Herr, mit großem Schall.


24. Rezitativ

Evangelist: Der Herr aber sprach:
Jesus: Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehret,
dass er euch möchte sichten wie den Weizen;
ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre;
und wenn du dermal einst dich bekehrest, so stärke deine Brüder.
Evangelist: Er aber sprach zu ihm:
Petrus: Her, ich bin bereit, mit dir in's Gefängnis und in den Tod zu gehen.
Evangelist: Er aber sprach:
Jesus: Petre, ich sage dir, der Hahn wird heute nicht krähen,
ehe denn du dreimal verleugent hast, dass du mich kennest.
Evangelist: Und er sprach zu ihnen:
Jesus: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel,
ohne Tasche und ohne Schuh',
habet ihr auch je Mangel gehabt?
Evangelist: Sie sprachen:


25. Chor

Die Jünger Jesu: Nie, keinen.


26. Rezitativ

Evangelist: Da sprach er zu ihnen:
Jesus: Aber nun, wer eine Beutel hat,
der nehme ihn desselbigen gleichen auch die Tasche;
wer aber nichts hat, verkaufe sein Kleid, und kaufe ein Schwert.
Denn ich sage euch: es muss noch das auch vollendet werden an mir,
das geschrieben stehet: "Er ist unter die Übeltäter gerechnet."
Denn was von mir geschrieben stehet, das hat ein Ende.
Evangelist: Sie aber sprachen:


27. Chor

Die Jünger Jesu: Herr, siehe Herr,
hier sind zwei Schwert'.


28. Rezitativ

Evangelist: Er aber sprach zu ihnen:
Jesus: Es ist genug.
Evangelist: Und er ging hinaus, nach seiner Gewohnheit,
an den Ölberg. Es folgeten ihm aber seine Jünger nach
an denselbigen Ort; und als er dahin kam, sprach er zu ihnen:
Jesus: Betet, auf dass ihr nicht in Anfechtung fallet.


29. Choral

Wir armen Sünder bitten,
du wolltest uns erhören, lieber Herre Gott!


30. Rezitativ

Evangelist: Und er riss sich von ihnen bei einem Steinwurf,
und knieete nieder, betete und sprach:
Jesus: Vater, willt du, so nimm diesen Kelch von mir;
doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.


31. Choral

Mein Vater, wie du willt, so bin ich auch zufrieden:
was du mir auf der Welt zu meinem Teil beschieden,
ich nehm' es auf dein Wort, dein Wille wird' erfüllt,
und sage allezeit; Mein Vater, wie du willt!


32. Rezitativ

Evangelist: Es erschiehn ihm aber ein Engel vom Himmel, und stärkete ihn.
Und es kam, dass er mit dem Tode rang, und betete heftiger.
Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.


33. Choral

Durch deines Todes Kampf und
blutigen Schweiß hilf uns, lieber Herre Gott!


34. Rezitativ

Evangelist: Und er stund auf von dem Gebet,
und kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend
vor Traurigkeit, und sprach zu ihen:
Jesus: Was schlafet ihr? Stehet auf und betet,
auf dass ihr nicht in Anfechtung fallet.


35. Choral

Lass mich Gnade für dir finden,
der ich bin voll Traurigkeit,
hilf du mir selbst überwinden,
so oft ich muss in den Streit.
Meinen Glauben täglich mehr'
deines Geistes Schwert verehr',
damit ich den Feind kann schlagen,
alle Pfeile von mir jagen.


36. Rezitativ

Evangelist: Da er aber noch redet', siehe,
die Schaar und einer von den Zwölfen, genannt Judas,
ging vor ihnen her, und nahete sich Jesu, ihn zu küssen.
Jesus aber sprach zu ihm;
Jesus: Judas, verrätzst du des Menschen Sohn mit einem Kuss?


37. Choral

Von außen sich gut stellen, im Herzen böse sein,
zu Judas sich gesellen, trägt nur Verdammnis ein.
Wenn du mit Judasküssen verrätst des Menschen Sohn,
du wirst es büßen müssen einst vor des Richters Thron.


38. Rezitativ

Evangelist:: Da aber sahen, die um ihn waren,
was da werden wollte, sprachen sie zu ihm:


39. Chor

Die Jünger Jesu: Herr sollen wir mit dem Schwert drein schlagen?


40. Rezitativ

Evangelist: Und einer aus ihnen schlug des Hohenpriesters Knecht,
und hieb ihm ein Ohr ab.
Jesus aber antwortete und sprach:
Jesus: Lasset sie doch so ferne machen!
Evangelist: Und er rührete sein Ohr an, und heilete ihn.

41. Choral

Ich will daraus studieren, wie ich mein Herz soll zieren
mit stillem, sanftem Mut,
und wie ich dich soll lieben, die mich so sehr betrüben
mit Werken, so die Bosheit tut.


42. Rezitativ

Evangelist: Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels
und den Ältesten, die über ihn kommen waren:
Jesus: Ihr seid, als zu einem Mörder, mit Schwertern und mit Stangen ausgegangen.
Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen, und ihr habt keine Hand an mich gelegt;
aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.
Evangelist: Sie griffen ihn aber, und führeten ihn, und brachten ihn in des Hohenpriesters Haus.
Petrus aber folgete von ferne.


43. Choral

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Übel.


44. Rezitativ

Evangelist: Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Palast,
und setzten sich zusammen. Und Petrus setzte sich unter sie.
Da sahe ihn eine Magd sitzen bei dem Lichte,
und sahe eben auf ihn, und sprach zu ihm:
Ancilla (Magd): Dieser war auch mit ihm.
Evangelist: Er aber verleugnete ihn und sprach:
Petrus: Weib ich kenne sein nicht.
Evangelist: Und über eine kleine Weile sahe ihn eine andere, und sprach:
Ancilla (Magd): Du bist auch deren einer.
Evangelist: Petrus aber sprach:
Petrus: Mensch, ich bin's nicht.
Evangelist: Und über eine Weile, bei einer Stunde,
bekräftigt' es ein andrer, und sprach:
Servus (Knecht): Wahrlich, dieser war auch mit ihm, denn er ist Galiläer.
Evangelist: Petrus aber sprach:
Petrus: Mensch, ich weiß nicht, was du sagest.
Evangelist: Und alsbald, da er noch redete, krähete der Hahn.
Und der Herr wandte sich, und sahe Petrum an.


45. Choral

Kein Hirt kann so fleißig gehen,
nach dem Schaf, das sich verläuft.
Sollt'st du Gottes Herze sehen,
wie sich da der Kummer häuft,
wie es dürstet, jächt und brennt
nach dem, was sich abgetrennt
von ihm und auch von den Seinen,
würdest du für Liebe weinen.


46. Rezitativ

Evangelist: Und Petrus gedachte an des Herren Wort, als er zu ihm gesaget hatte:
"Ehe denn der Hahn krähet, wirst du mich dreimal verleugnen":
und Petrus ging hinaus, und weinete bitterlich.


47. Arie: Tenor

Den Fels hat Moses' Stab geschlagen,
Drum quillt aus ihm ein starker Fluss.
Gesetz und Fluch schreckt den Verbrecher,
Er fürchtet einen harten Rächer;
Selbst sein Gewissen wird ihm sagen,
Dass er des Todes sterben muss.

Da Capo


48. Choral

Aus der Tiefe rufe ich:
Jesu Gnade tröstet mich.
Ich hab' Unrecht zwar getan,
aber Jesus nimmt mich an.




Zweiter Teil


1. Rezitativ

Evangelist: Die Männer aber, die Jesum hielten,
verspotteten ihn und schlugen ihn,
verdeckten ihn und schlugen ihn in's Angesicht
und fragten ihn und sprachen:


2. Chor

Die Männer: Weissage, wer ist's der dich schlug?


3. Choral

Dass du nicht ewig Schande mögest tragen,
lässt er sich schimpflich in's Gesichte schlagen;
weil dich zum öftern eitler Ruhm erfreuet,
wird er verspeiet.


4. Rezitativ

Evangelist: Und viel and're Lästerungen sagten sie wider ihn.
Und als es Tag ward, sammelten sich die Ältesten des Volks,
die Hohenpriester und Schriftgelehrten
und führeten ihn hinauf vor ihren Rat und sprachen:


5. Chor

Die Ältesten: Bist du Christus? Sage es uns!


6. Rezitativ

Evangelist: Er aber sprach zu ihnen:
Jesus: Sag ich's euch, so glaubet ihr's nicht;
frage ich aber, so antwortet ihr nicht
und lasset mich doch nicht los.
Darum, von nun an wird des Menschen Sohn
sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes.
Evangelist: Sie sprachen aber:


7. Chor

Die Ältesten: Bist du den Gottes Sohn?


8. Choral

Du Kön'g der Ehren, Jesu Christ,
Gott Vaters ew'ger Sohn du bist.


9. Rezitativ

Evangelist: Er sprach zu ihnen:
Jesus: Ihr sagt's, denn ich bin's.
Evangelist: Sie sprachen aber:


10. Chor

Die Ältesten: Was dürfen wir weiter Zeugnis?
Wir haben's selbst gehörtet aus seinem Munde.


11. Rezitativ

Evangelist: Und der ganze Haufe stund auf,
und führeten ihn vor Pilatum und fingen an,
ihn zu verklagen und sprachen:


12. Chor

Die Ältesten: Diesen finden wir, dass er das Volk abwendet
und verbeut, den Schoß dem Kaiser zu geben,
und spricht, er sei Christus, ein König.


13. Rezitativ

Evangelist: Pilatus aber fragte ihn und sprach:
Pilatus: Bist du der Juden König?
Evangelist: Er antwortete ihm:
Jesus: Du sagest's.


14. Choral

Dein' göttlich' Macht und Herrlichkeit
geht üb'r Himmel und Erden weit.


15. Rezitativ

Evangelist: Pilatus sprach zu den Hohenpriestern und zu dem Volk:
Pilatus: Ich finde keine Ursach' an diesem Menschen.


16. Choral

Ich bin's, ich sollte büßen,
an Händen und an Füßen
gebunden in der Höll'.
Die Geißeln und die Banden,
und was du ausgestanden,
das hat verdienet meine Seel'.


17. Rezitativ

Evangelist: Sie aber hielten an und sprachen:


18. Chor

Das Volk: Er hat das Volk erreget,
damit dass er gelehret hat
hin und her im ganzen jüdischen Lande
und hat in Galiläa angefangen bis hieher.


19. Rezitativ

Evangelist: Da aber Pilatus "Galiläa" hörte, fragte er, ob er aus Galiläa wäre;
und als er vernahm, dass er unter Herodes Obrigkeit gehörte,
übersandte er ihn zu Herodes, welcher auch an dem selbigen Tage in Jerusalem war.
Da aber Herodes Jesum sahe, war er sehr froh,
denn er hätte ihn längst gerne gesehen und hoffete,
er würde ein Zeichen von ihm sehen
und fragte ihn mancherlei, und er antwortete ihm nichts.


20. Arie: Tenor

Das Lamm verstummt vor seinem Scherer
Und leidet alles mit Geduld.
Wenn man bei Hass und Bosheit schweiget,
Gelassen ist und Großmut zeiget,
Verwandelt sich oft Wut in Huld.

Da Capo


21. Rezitativ

Evangelist: Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten stunden und verklagten ihn hart.
Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn,
legte ihm ein weiß' Kleid an und sandte ihn wieder zu Pilato.


22. Choral

Was kann die Unschuld besser kleiden,
als des Herodes weißes Kleid,
ob auch die Juden wie die Heiden
entbrennen voller Hass und Neid.
Sie zeugen trotz der Spötterei,
dass Jesus Christ unschuldig sei.


23. Rezitativ

Evangelist: Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander,
denn zuvor waren sie einander feind.
Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen
und sprach zu ihnen:
Pilatus: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht,
als der das Volk abwende, und siehe!
Ich haben ihn vor euch verhöret und finde an dem Menschen der Sachen keine,
der ihr ihn beschuldiget. Herodes auch nicht.
Denn ich habe euch zu ihm gesandt, und siehe!
Man hat nichts auf ihn gebracht, das des Todes wert sei.
Darum will ich ihn züchtigen und loslassen.


24. Choral

Ei, was hat er denn getan,
was sind seine Schulden,
dass er da vor jedermann
solche Schmach muss dulden?
Hat er etwa Gott betrübt bei gesunden Tagen,
dass er ihm anitzo gibt seinen Lohn mit Plagen?
Nein, fürwahr, wahrhaftig nein!
er ist ohne Sünden;
sondern, was der Mensch für Pein
billig soll't empfinden,
was für Krankheit, Angst und Weh
uns von Recht gebühret,
das ist's, so ihn in die Höh'
an das Kreuz geführet.


25. Rezitativ

Evangelist: Denn er musste ihnen einen nach Gewohnheit des Festes losgeben.
Da schrie der ganze Haufe und sprach:


26. Chor

Das Volk: Hinweg, hinweg mit diesem
und gib uns Barabam los!


27. Rezitativ

Evangelist: Welcher war um eines Aufruhrs, so in der Stadt geschah,
und um eines Mord's willen in's Gefängnis geworfen.
Da rief Pilatus abermahls zu ihnen und wollte Jesum loslassen.
Sie riefen aber und sprachen:


28. Chor

Das Volk: Kreuzige ihn!
kreuzige, kreuzige ihn.


29. Rezitativ

Evangelist: Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen:
Pilatus: Was hat er denn Übels getan?
Ich finde keine Ursache des Todes an ihm,
darum will ich ihn züchtigen und loslassen.
Evangelist: Aber sie lagen ihm an mit starken Geschrei
und forderten, dass er gekreuziget würde.
Und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand.
Pilatus aber urteilte, dass ihre Bitte geschähe
und ließ den los, der um Aufruhrs und Mord's willen war in's Gefängnis geworfen,
um welchen sie baten. Aber Jesum übergab er ihren Willen.


30. Choral

Es wird in der Sünder Hände
überliefert Gottes Lamm,
dass sich dein Verderben wende;
Jud' und Heiden sind ihm gram
und werfen diesen Stein,
der ihr Eckstein sollte sein.
Ach, dies leidet der Gerechte
für die bösen Sünderknechte.


31. Rezitativ

Evangelist: Und als sie Jesum hinführeten, ergriffen sie einen,
Simon von Cyrene, der kam vom Felde;
und legten das Kreuz auf ihn, dass er's Jesu nachtrüge.
Es folgte ihm aber ein großer Haufe Volks und Weiber,
die klagten nd beweinten ihn.


32. Terzet: Sopran I, II, Alt

Weh und Schmerz in dem Gebären
Heißt nicht gegen deine Not.
Ach, wir armen Sünderinnen
Werden itzt den Fluch recht innen,
Und wir trügen mit Geduld
Unserer ersten Mutter Schuld,
Retteten die unsre Zähren
Nur von deinem bittern Tod.

Da Capo


33. Rezitativ

Evangelist: Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach:
Jesus: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich,
sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder.
Denn siehe! es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird:
Selig sin die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben,
und die Brüste, die nicht gesäuget haben.
Dann werden sie anfahen zu sagen zu den Bergen:
Fallet über uns! uns zu den Hügeln: Decket uns!
Denn so man das tut am grünen Holz, was will am dürren werden?
Evangelist: Es wurden aber auch hingeführet zween andre Überltäter,
dass sie mit ihm abgetan würden.
Und als sie kamen an die Stätte, die da heißet Schädelstätt',
kreuzigten sie ihn daselbst und die Übeltäter mit ihm
einen zur Rechten und einen zur Linken.
Jesus aber sprach:
Jesus: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.


34. Choral

Sein' allererste Sorge war,
zu schützen, die ihn hassen:
bat, dass sein Gott der bösen Schar
woll' ihre Sünd' erlassen.
Vergib! Sprach er, aus Lieb', o Vater, ihnen allen;
Ihr'r keiner ist, der säh und wüsst', in was für Tat sie fallen.


35. Rezitativ

Evangelist: Und sie teileten seine Kleider und wurfen das Los drum,
und das Volk stund und sahe zu.
Und die Obersten, samt ihnen, spotteten sein und sprachen:


36. Chor

Das Volk: Er hat andern geholfen,
er helfe ihm selber,
ist er Christ, der Auserwählte Gottes.


37. Rezitativ

Evangelist: Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte,
traten zu ihm und brachten ihm Essig und sprachen:


38. Chor

Die Kriegsknechte: Bist du der Jüden König, so hilf dir selber!


39. Choral

Ich bin krank, komm stärke mich, meine Stärke!
Ich bin matt, erquicke mich, süßer Jesu!
Wenn ich sterbe, tröste mich, du mein Tröster!
Jesu, du mein Tröster!


40. Rezitativ

Evangelist: Es war auch oben über ihn geschrieben die Überschrift,
mit griechischen und lateinischen und hebräischen Buchstaben:
"Dies ist der Jüden König."


41. Choral

Das Kreuz ist der Königsthron,
drauf man dich wird setzen,
dein Haupt mit der Dornenkron'
bis in Tod verletzen;
Jesu, dein Reich auf der Welt ist in lauter Leiden:
so ist es von dir bestellt bis zum letzten Scheiden.


42. Rezitativ

Evangelist: Aber der Übeltäter einer,
die da gehenket waren, lästerte ihn und sprach:
Latro impius (verstockter Mörder):
Bist du Christus so hilf dir selbst und uns.
Evangelist: Da antwortete der andre, strafte ihn und sprach:
Poenitens (reuiger Mörder): Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott,
der du doch in gleicher Verdammnis bist?
Und zwar, wir sind billig drinnen,
denn wir empfahlen, was unsre Taten wert sind.
Dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt.
Evangelist: Und sprach zu Jesu:
Poenitens: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst.


43. Choral

Tausend mal gedenk' ich dein, mein Erlöser,
und begehre dich allein, mein Erlöser,
sehne mich bei dir zu sein, mein Erlöser,
Jesu, mein Erlöser!


44. Rezitativ

Evangelist: Und Jesus sprach zu ihm:
Jesus: Wahrlich, ich sage dir:
heute wirst du mit mir im Paradies sein.


45. Choral

Freu' dich sehr, o meine Seele,
und vergiss all' Not und Qual,
weil dich nun Christus, deine Herre,
ruft aus diesen Jammertal;
aus Trübsal und großem Leid
sollst du fahren in die Freud',
die kein Ohre hat gehöret
und in Ewigkeit auch währet.


46. Rezitativ

Evangelist: Und es war um die sechste Stunde,
und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde;
und die Sonne verlor ihren Schein,
und der Vorhang im Tempel zerriss mitten entzwei.


47. Arie: Sopran

Selbst der Bau der Welt erschüttert
Über frecher Menschen Wut!
Er erkennt, was ihr gemacht:
Sie vergießen unbedacht
Ihres eignen Schöpfers Blut.

Da Capo


48. Rezitativ

Evangelist: Und Jesus rief laut und sprach:
Jesus: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.
Evangelist: Und als er das gesagt, verschied er.


49. Sinfonia

Choral

Derselbe mein Herr Jesu Christ
vor all' mein' Sünd gestorben ist
und auferstanden mir zu gut,
der Höllen Glut gelöscht mit seinem teuren Blut.

Sinfonia


50. Rezitativ

Evangelist: Da aber der Hauptmann sahe,
was da geschah, preisete er Gott und sprach:
Hauptmann: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen.
Evangelist: Und alles Volk, das dabei war und zu sahe
und sahe, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust
und wandten wiederum um.


51. Choral

Straf' mich nicht in deinem Zorn,
großer Gott verschone,
ach, lass mich nicht sein verlor'n,
nach Verdienst nicht lohne.
Hat die Sünd' dich entzünd't,
lösch' ab in dem Lamme
deines Grimmes Flamme.


52. Rezitativ

Evangelist: Es stunden aber alle Verwandten von ferne,
und die Weiber, die ihm aus Galiläa waren nach gefolget
und sahen das alles. Und siehe, ein Mann, mit Namen Joseph,
ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann;
der hatte nicht gewilliget in ihren Rat und Handel,
der war von Arimathia, der Stadt der Juden,
der auch auf das Reich Gottes wartete;
der ging zu Pilato und bat um den Leib Jesu.


53. Arie: Tenor

Lasst mich ihn nur noch einmal küssen
Und legt dann meinen Freund ins Grab.
Geliebter, deine blassen Wangen
Erwecken bei mir das Verlangen,
Denn meine Liebe stirbt nicht ab.

Da Capo


54. Rezitativ

Evangelist: Und nahm ihn ab, wickelte ihn in Leinwand
und legte ihn in ein gehauen Grab,
darinnen niemand je gelegen war.


55. Choral

Nur ruh, Erlöser, in der Gruft,
bis dich des Vaters Stimme ruft;
dein heil'ger Leib wird aufersteh'n
und nimmer die Verwesung seh'n.
Wir müssen die Verwesung seh'n,
wenn wir dereinst zu Grabe gehn;
Gott Lob, dass unser treuer Hirt,
der für uns starb, uns wecken wird.