Bach, Johann Sebastian (1685–1750)
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Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz

Dichter unbekannt
Satz 1: Psalm 139,23;
Satz 6: Strophe 5 aus „Wo soll ich fliehen hin“ (1630) by Johann Heermann (1585–1647)

1. CHOR

Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ichs meine!


2. REZITATIV (T)

Ach, dass der Fluch, so dort die Erde schlägt
Auch derer Menschen Herz getroffen!
Wer kann auf gute Früchte hoffen,
Da dieser Fluch bis in die Seele dringet,
So dass sie Sündendornen bringet
Und Lasterdisteln trägt.
Doch wollen sich oftmals die Kinder der Höllen
In Engel des Lichtes verstellen;
Man soll bei dem verderbten Wesen
Von diesen Dornen Trauben lesen.
Ein Wolf will sich mit reiner Wolle decken,
Doch bricht ein Tag herein,
Der wird, ihr Heuchler, euch ein Schrecken,
Ja unerträglich sein.


3. ARIA (A)

Es kömmt ein Tag,
So das Verborgne richtet,
Vor dem die Heuchelei erzittern mag.
Denn seines Eifers Grimm vernichtet,
Was Heuchelei und List erdichtet.


4. REZITATIV (B)

Die Himmel selber sind nicht rein,
Wie soll es nun ein Mensch vor diesem Richter sein?
Doch wer durch Jesu Blut gereinigt,
Im Glauben sich mit ihm vereinigt,
Weiß, dass er ihm kein hartes Urteil spricht.
Kränkt ihn die Sünde noch,
Der Mangel seiner Werke,
Er hat in Christo doch
Gerechtigkeit und Stärke.


5. ARIA (T, B)

Uns treffen zwar der Sünden Flecken,
So Adams Fall auf uns gebracht.
Allein, wer sich zu Jesu Wunden,
Dem großen Strom voll Blut gefunden,
Wird dadurch wieder rein gemacht.


6. CHORAL

Dein Blut, der edle Saft,
Hat solche Stärk und Kraft,
Dass auch ein Tröpflein kleine
Die ganze Welt kann reine,
Ja, gar aus Teufels Rachen
Frei, los und ledig machen.