Bach, Johann Sebastian (1685–1750)
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Christus, der ist mein Leben

Dichter unbekannt
Martin Luther (1483–1546)
Valerius Herberger (1562–1627)
Nikolaus Herman (ca. 1500-1561)

Satz 1: Strophe 1 aus „Christus, der ist mein Leben“ (Jena, 1609) und Strophe 1 aus „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“ von Martin Luther (1524, nach Lukas 2,29–32);
Satz 3: Strophe 1 aus „Valet will ich dir geben“ von Valerius Herberger (1613);
Satz 7: Strophe 4 aus „Wenn mein Stündlein vorhanden ist“ von Nikolaus Herman (1560)

1. CHOR; REZITATIV (T)

CHOR
Christus, der ist mein Leben,
Sterben ist mein Gewinn;
Dem tu ich mich ergeben,
Mit Freud fahr ich dahin.

TENOR
Mit Freuden,
Ja mit Herzenslust
Will ich von hinnen scheiden.
Und hieß es heute noch: Du musst!
So bin ich willig und bereit,
Den armen Leib, die abgezehrten Glieder,
Das Kleid der Sterblichkeit
Der Erde wieder
In ihren Schoß zu bringen.
Mein Sterbelied ist schon gemacht;
Ach, dürft ichs heute singen!

CHOR
Mit Fried und Freud ich fahr dahin,
Nach Gottes Willen,
Getrost ist mir mein Herz und Sinn,
Sanft und stille.
Wie Gott mir verheißen hat:
Der Tod ist mein Schlaf worden.


2. REZITATIV (S)

Nun, falsche Welt!
Nun hab ich weiter nichts mit dir zu tun;
Mein Haus ist schon bestellt,
Ich kann weit sanfter ruhn,
Als da ich sonst bei dir,
An deines Babels Flüssen,
Das Wollustsalz verschlucken müssen,
Wenn ich an deinem Lustrevier
Nur Sodomsäpfel konnte brechen.
Nein, nein! nun kann ich mit gelassnerm Mute sprechen:


3. ARIA (S)

Valet will ich dir geben,
Du arge, falsche Welt,
Dein sündlich böses Leben
Durchaus mir nicht gefällt.
Im Himmel ist gut wohnen,
Hinauf steht mein Begier.
Da wird Gott ewig lohnen
Dem, der ihm dient allhier.


4. REZITATIV (T)

Ach könnte mir doch bald so wohl geschehn,
Dass ich den Tod,
Das Ende aller Not,
In meinen Gliedern könnte sehn;
Ich wollte ihn zu meinem Leibgedinge wählen
Und alle Stunden nach ihm zählen.


5. ARIA (T)

Ach, schlage doch bald, selge Stunde,
Den allerletzten Glockenschlag!
Komm, komm, ich reiche dir die Hände,
Komm, mache meiner Not ein Ende,
Du längst erseufzter Sterbenstag!


6. REZITATIV (B)

Denn ich weiß dies
Und glaub es ganz gewiss,
Dass ich aus meinem Grabe
Ganz einen sichern Zugang zu dem Vater habe.
Mein Tod ist nur ein Schlaf.
Dadurch der Leib, der hier von Sorgen abgenommen,
Zur Ruhe kommen.
Sucht nun ein Hirte sein verlornes Schaf,
Wie sollte Jesus mich nicht wieder finden,
Da er mein Haupt und ich sein Gliedmaß bin!
So kann ich nun mit frohen Sinnen
Mein selig Auferstehn auf meinen Heiland gründen.


7. CHORAL

Weil du vom Tod erstanden bist,
Werd ich im Grab nicht bleiben;
Dein letztes Wort mein Auffahrt ist,
Todsfurcht kannst du vertreiben.
Denn wo du bist, da komm ich hin,
Dass ich stets bei dir leb und bin;
Drum fahr ich hin mit Freuden.