Bach, Johann Sebastian (1685–1750)
Zurück zur Gesamtansicht

O Ewigkeit, du Donnerwort (Dialogus)

Dichter unbekannt
Johann Rist (1607–1667)
Franz Joachim Burmeister (1633–1672)

Satz 1: Strophe 1 aus „O Ewigkeit, du Donnerwort“ von Johann Rist (1642) und 1. Mose 49,18;
Satz 4 mit Verwendung von Offenbarung 14,13;
Satz 5: Strophe 5 aus „Es ist genung, so nimm, Herr, meinen Geist“ (Text F. J. Burmeister, mit Originalmelodie) aus J. R. Ahle, Drittes Zehn Neuer Geistlicher Arien (1662)

1. CHORAL (A); ARIA (T)

FURCHT (A)
O Ewigkeit, du Donnerwort,
O Schwert, das durch die Seele bohrt,
O Anfang sonder Ende!
O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit,
Ich weiß vor großer Traurigkeit
Nicht, wo ich mich hinwende;
Mein ganz erschrocknes Herze bebt,
Dass mir die Zung am Gaumen klebt.

HOFFNUNG (T)
Herr, ich warte auf dein Heil.


2. REZITATIV (A, T)

FURCHT
O schwerer Gang zum letzten Kampf und Streite!

HOFFNUNG
Mein Beistand ist schon da,
Mein Heiland steht mir ja
Mit Trost zur Seite!

FURCHT
Die Todesangst, der letzte Schmerz
Ereilt und überfällt mein Herz
Und martert diese Glieder.

HOFFNUNG
Ich lege diesen Leib vor Gott zum Opfer nieder.
Ist gleich der Trübsal Feuer heiß,
Genung, es reinigt mich zu Gottes Preis.

FURCHT
Doch nun wird sich der Sünden große Schuld vor mein Gesichte stellen!

HOFFNUNG
Gott wird deswegen doch kein Todesurteil fällen.
Er gibt ein Ende den Versuchungsplagen,
Dass man sie kann ertragen.


3. ARIA (A, T)

FURCHT
Mein letztes Lager will mich schrecken,

HOFFNUNG
Mich wird des Heilands Hand bedecken,

FURCHT
Des Glaubens Schwachheit sinket fast,

HOFFNUNG
Mein Jesus trägt mit mir die Last.

FURCHT
Das offne Grab sieht greulich aus,

HOFFNUNG
Es wird mir doch ein Friedenshaus.


4. REZITATIV (A); ARIOSO (B)

FURCHT (A)
Der Tod bleibt doch der menschlichen Natur verhasst
Und reißet fast
Die Hoffnung ganz zu Boden.

B
Selig sind die Toten.

FURCHT (A)
Ach! aber ach, wieviel Gefahr
Stellt sich der Seele dar,
Den Sterbeweg zu gehen!
Vielleicht wird ihr der Höllenrachen
Den Tod erschrecklich machen,
Wenn er sie zu verschlingen sucht;
Vielleicht ist sie bereits verflucht
Zum ewigen Verderben.

B
Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben.

FURCHT (A)
Wenn ich im Herren sterbe,
Ist denn die Seligkeit mein Teil und Erbe?
Der Leib wird ja der Würmer Speise!
Ja, werden meine Glieder
Zu Staub und Erde wieder -
Da ich ein Kind des Todes heiße -,
So schein ich ja im Grabe zu verderben.

B
Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben, von nun an.

FURCHT (A)
Wohlan!
Soll ich von nun an selig sein:
So stelle dich, o Hoffnung, wieder ein!
Mein Leib mag ohne Furcht im Schlafe ruhn,
Der Geist kann einen Blick in jene Freude tun.


5. CHORAL

Es ist genung: Herr, wenn es dir gefällt,
So spanne mich doch aus.
Mein Jesu kömmt: nun gute Nacht, o Welt!
Ich fahr ins Himmelshaus,
Ich fahre sicher hin mit Frieden,
Mein großer Jammer bleibt danieden.
Es ist genung.