Bach, Johann Sebastian (1685–1750)
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Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet (Dialogus)

Georg Christian Lehms (1684–1717), Darmstadt, 1711;
Satz 1: Jakobus 1,12;
Satz 8: Strophe 6 aus „Hast du denn, Jesu, dein Angesicht gänzlich verborgen“ (1668) von Ahasverus Fritsch (1629–1701).

1. ARIA (B)

JESUS
Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn, nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen.


2. REZITATIV (S)

ANIMA
Ach! dieser süße Trost erquickt auch mir mein Herz,
Das sonst in Ach und Schmerz
Sein ewigs Leiden findet
Und sich als wie ein Wurm in seinem Blute windet.
Ich muss als wie ein Schaf
Bei tausend rauhen Wölfen leben;
Ich bin ein recht verlassnes Lamm und muss mich ihrer Wut
Und Grausamkeit ergeben.
Was Abeln dort betraf,
Erpresset mir auch diese Tränenflut.
Ach! Jesu, wüsst ich hier
Nicht Trost von dir,
So müsste Mut und Herze brechen,
Und voller Trauern sprechen:


3. ARIA (S)

ANIMA
Ich wünschte mir den Tod,
Wenn du, mein Jesu, mich nicht liebtest.
Ja wenn du mich annoch betrübtest,
So hätt ich mehr als Höllennot.


4. REZITATIV (S, B)

JESUS
Ich reiche dir die Hand
Und auch damit das Herze.

ANIMA
Ach! süßes Liebespfand,
Du kannst die Feinde stürzen
Und ihren Grimm verkürzen.


5. ARIA (B)

JESUS
Ja, ja, ich kann die Feinde schlagen,
Die dich nur stets bei mir verklagen,
Drum fasse dich, bedrängter Geist.
Bedrängter Geist, hör auf zu weinen,
Die Sonne wird noch helle scheinen,
Die dir itzt Kummerwolken weist.


6. REZITATIV (S, B)

JESUS
In meiner Schoß liegt Ruh und Leben,
Dies will ich dir einst ewig geben.

ANIMA
Ach! Jesu, wär ich schon bei dir,
Ach striche mir
Der Wind schon über Gruft und Grab,
So könnt ich alle Not besiegen.
Wohl denen, die im Sarge liegen
Und auf den Schall der Engel hoffen!
Ach! Jesu, mache mir doch nur, wie Stephano, den Himmel offen!
Mein Herz ist schon bereit,
Zu dir hinauf zu steigen.
Komm, komm, vergnügte Zeit!
Du magst mir Gruft und Grab
Und meinen Jesum zeigen.


7. ARIA (S)

ANIMA
Ich ende behende mein irdisches Leben,
Mit Freuden zu scheiden verlang ich itzt eben.
Mein Heiland, ich sterbe mit höchster Begier,
Hier hast du die Seele, was schenkest du mir?


8. CHORAL

Richte dich, Liebste, nach meinem Gefallen und gläube
Dass ich dein Seelenfreund immer und ewig verbleibe,
Der dich ergötzt
Und in den Himmel versetzt
Aus dem gemarterten Leibe.