Ich hatte viel Bekümmernis [2. Fassung] BWV 21; BC A 99b
Kantate

 

Ich hatte viel Bekümmernis [2. Fassung]


Erster Teil


1. SINFONIA


2. CHOR

Ich hatte viel Bekümmernis in meinem Herzen; aber deine Tröstungen erquicken meine Seele.


3. ARIA (S)

Seufzer, Tränen, Kummer, Not,
Ängstlichs Sehnen, Furcht und Tod
Nagen mein beklemmtes Herz.
Ich empfinde Jammer, Schmerz.


4. REZITATIV (T)

Wie hast du dich, mein Gott,
In meiner Not,
In meiner Furcht und Zagen
Denn ganz von mir gewandt?
Ach! kennst du nicht dein Kind?
Ach! hörst du nicht das Klagen
Von denen, die dir sind
Mit Bund und Treu verwandt?
Du warest meine Lust
Und bist mir grausam worden;
Ich suche dich an allen Orten,
Ich ruf und schrei dir nach.
Allein mein Weh und Ach!
Scheint jetzt, als sei es dir ganz unbewußt.


5. ARIA (T)

Bäche von gesalznen Zähren,
Fluten rauschen stets einher.
Sturm und Wellen mich versehren,
Und dies trübsalsvolle Meer
Will mir Geist und Leben schwächen,
Mast und Anker wollen brechen,
Hier versink ich in den Grund,
Dort seh in der Hölle Schlund.


6. CHOR

Was betrübst du dich, meine Seele. und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichtes Hilfe und mein Gott ist.



Zweiter Teil


7. REZITATIV (S, B)

SEELE
Ach Jesu, meine Ruh,
Mein Licht, wo bleibest du?

JESUS
O Seele sieh! Ich bin bei dir.

SEELE
Bei mir?

JESUS
Hier ist ja lauter Nacht.
Ich bin dein treuer Freund,
Der auch im Dunkeln wacht,
Wo lauter Schalken seind.

SEELE
Brich doch mit deinem Glanz und Licht des Trostes ein!

JESUS
Die Stunde kommet schon,
Da deines Kampfes Kron
Dir wird ein süßes Labsal sein.


8. DUETT (S, B)

SEELE
Komm, mein Jesu, und erquicke
Und erfreu mit deinem Blicke
Diese Seele,
Die soll sterben
Und nicht leben
Und in ihrer Unglückshöhle
Ganz verderben.
Ich muss stets in Kummer schweben,
Ja, ach ja, ich bin verloren!
Nein, ach nein, du hassest mich!
Ach Jesu, durchsüße mir Seele und Herze!
Ja, ach ja, ich bin verloren!
Komm, mein Jesu, und erquicke
Mich mit deinem Gnadenblicke!

JESUS
Ja, ich komme und erquicke
Dich mit meinem Gnadenblicke.
Deine Seele,
Die soll leben
Und nicht sterben,
Hier aus dieser Wundenhöhle
Sollst du erben
Heil durch diesen Saft der Reben.
Nein, ach nein, du bist erkoren!
Ja, ach ja, ich liebe dich!
Entweichet, ihr Sorgen,
verschwinde, du Schmerze!
Ja, ich komme und erquicke
Dich mit meinem Gnadenblicke.


9. CHOR

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der Herr tut dir Guts.

Was helfen uns die schweren Sorgen,
Was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, daß wir alle Morgen
Beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid.
Nur größer durch die Traurigkeit.

Denk nicht in deiner Drangsalshitze,
Dass du von Gott verlassen seist,
Und dass Gott der im Schoße sitze,
Der sich mit stetem Glücke speist.
Die folgend Zeit verändert viel
Und setzet jeglichem sein Ziel.


l0. ARIA (T)

Erfreue dich, Seele, erfreue dich, Herze,
Entweiche nun, Kummer, verschwinde, du Schmerze.
Verwandle dich, Weinen, in lauteren Wein,
Es wird nun mein Ächzen ein Jauchzen mir sein!
Es brennnet und flammet die reineste Kerze
Der Liebe, des Trostes in Seele und Brust,
Weil Jesus mich tröstet mit himmlischer Lust.


11. CHOR

Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. Lob und Ehre und Preis und Gewalt sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen, Alleluja!